Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 5 (August 1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Vom Präsidium 2. Antwort des Stammtische Marburg (Jacob Jacobson) vom 24« Juli Das heute -dem K. J. V-er Stammtisch zugegangene Rundschreiben des K. J. V., das uns Richtpunkte für die Wahlen zum Studentenparlament gibt, veranlaßt mich, euch die hiesigen Verhältnisse klarzulegen und darnach unsere Stellungnahme zu präzisieren. Wir ihr wißt, wurde der V. J. St. Marburg im S. S. 1911 unter wenig rühmlichen Umtsänden zu Grabe getragen, ohne daß sein Verschwinden hernach sehr auffiel oder eine schmerzliche Lücke ließ. Auch die Marburger V.J.A. fristete vor dem Kriege nur ein recht blutarmes Leben. Nach dem Kriege liegen hier nun die Verhältnisse vollkommen anders. Der hiesige V. J. A. ist sehr stark und hat mit rund 25 aktiven Mitgliedern etwa ebensoviel — vielleicht etwas mehr, als die im Zwischenjemester 1919 gegründete K. C-Verbindung Nassia. Daneben nimmt unser Stammtisch mit seinen 5 Mitgliedern sich recht kläglich aus. Trotzdem waren wir bis jetzt, was allgemein jüdisches Interesse, also hier im wesentlichen den Kampf gegen den Antisemitismus und die Parlamentswahlen anbetraf, sozusagen an der Spitze, hatten jedenfalls die Initiative. Die Aufstellung einer gemeinsamen jüdischen Kandidatur zum Studentenparlament hatte nicht den geringsten Widerstand gefunden: einmütig arbeiteten die drei jüdischen Verbindungen und die nicht inkorporierten Juden zusammen, 50 daß sie als Vertreter ins Parlament schicken konnten 1 V. J.Ä.-er, 1 K. C.-er und mich. Beim Kampf gegen den Antisemitismus haben allerdings alle drei Verbindungen im Effekt versagt. Ich selbst hatte zwar bei 4er Gemeinde und dann beim Zentralverein im Einverständnis mit B- J. A., K. C. und NichHnkorporierten eine Gegenversammlung gegen eine von dem berüchtigten Agitator Werner-Gießen veranstaltete Versammlung zusammerazubringen versucht — doch alles vergeblich. Inzwischen treibt der Antisemitismus seine praktischen Blüten: Gestern abend wurden trotz glänzender Gegenrede eines V. J.A.-ers sämtliche Juden aus der Vorklinikerschaft ausgeschlossen, nachdern «dies Reinigungsgeschäft inj der Kiinijcerschaft schon gegen Ende 1918 vorgenommen war. Es ist — besonders da die Reichstagswahlen vor der Tür stehen — hier nur mit einem weiteren Anwachsen des Antisemitismus in gehässigen Formen zu rechnen, und deshalb energischste Selbstwehr vonnöten. Wir hiesigen K. J. V. er halten es deshalb für sehr erwünscht, dem mächtig andrängenden Gegner eine geschlossene Phalanx entgegenzustellen, und im wenig angebracht, unsererseits in diese hier so nötige Geschlossenheit einen Keil zu treiben. Es scheint uns dies um so fahrlässiger, da bislang einem gemeinsamen Arbeiten von Seiten des K. C. hier auch nicht die allergeringsten Schwierigkeiten bereitet wurden. Wir sind strikte gegen Aufstellung einer eigenen Liste; noch weniger aber sind wir gewillt, auf unsere Beteiligung an der Wahl, also auf aktive Abwehr, zu verzichten. Wir bitten also das Präsidium, uns umgehend -die von uns für richtig gehaltene Bewegungsfreiheit wiederzugeben. Ich Iritte um so dringender um baldigen Bescheid, als ich beabsichtige» im «lächsfen Semester eine Interessenvertretung sämtlicher jüdischen Studen-