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Der jüdische Student · 1919-08-01 · Heft 5 (August 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 5 (August 1919)
Date
1919-08-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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194 Stein, „Grundlagen und Ausblicke" Das K.J.V. wünscht, die Seinen dahin zu erziehen, daß ihr Zionismus ein Stück individueller Leistung ist. Der Zionismus eines K.J.V.-ers jnuß auch dann komplett sein, wenn weit and breit kein anderer Zionist vorhanden ist. Um das zu erzieien, braucht man allerdings erzieherisch befähigte Menschen. Wo. solche an der Arbeit sind, da stellt sich, ein 'Gemeinschaftsleben, wie wir es für wertvoll halten, auf der Basis einheitlichen Strebens von selber ein. Und dieses Gemeinschaftsleben haben wir schon besessen und zu schätzen gewußt, als die Vokabel noch nicht erfunden war. ec „Grundlagen und Ausblicke" Unter obigem Titel versuchte Kupferberg im „Jüdischen Willen" die Gründung des Hechawer zu rechtfertigen. Es ist neuerdings bei uns Mode, simple Vorgänge durch einen ungeheuren Schwulst von Worten in ein philosophisch, aufgemachtes Lehrgebäude hineinzukonstruieren, ohne daß hierdurch die vorgebrachten Gedanken an Unrichtigkeit verlieren. Ich will, ohne in denselben verschnörkelten Stil zu verfallen, zu einigen Punkten des Kupferbergschen Artikels Stellung nehmeu und hierbei, um das Verfahren zu vereinfachen, wie Kupferberg von „älteren" und „jüngeren" Generationen sprechen, obwohl ich die Einteilung in diesem Zusammenhange für falsch halte. Unverständlich und mit den Tatsachen unvereinbar erscheint mir die Charakterisierung der drei Altersstufen, wie sie Kupferberg vornimmt. Nach Kupferberg ist die älteste Generation der Zionisten individualistisch, die jüngste Generation von selbst und aus sich heraus eingestellt in die größere Gemeinschaft, d. h. kameradschaftlich und diszipliniert. Ich habe überall einen durchaus entgegengesetzten Eindruck gehabt. Es wird allerdings heute viel mit Worten jongliert, die im allgemeinen Sprachgebrauch zur Bezeichnung bestimmter Begriffe festgelegt sind. So sprechen heute die Kupferberg nahestehenden Kreise viel von der Disziplin, die „auf der freien und ungehinderten Selbstbestimmung des Einzeihen" beruhe. Damit wird dem Wort Disziplin ein Sinn untergelegt, der ziemlich genau dem Wesen der Anarchie entspricht Disziplin ist Einordnung und Unterordnung unter ein Höheres, Unterwerfung unter eine Macht und Einsicht, unter deren Führung man schlimmstenfalls auch gegen seinen persönlichen- Willen handelt. Diese Disziplin ist bei uns freiwillig und insofern weit entfernt von jeder militärischen Zucht, weil in der Tat jeder sich nur mit seinem eigenen Willen in unsere Organisation begibt und er jederzeit die Möglichkeit hat, sich ihr völlig zu entziehen, sobald der Konflikt zwischen der eigenen Ansicht und dem Befehl so schwer erscheint, daß ein Verbleiben nicht mehr möglich ist. Auch für den, der in der Organisation verbleibt, nähert sich die von uns verlangte Unterwerfung in keiner Weise dem Begriff der militärischen Disziplin, weil unsere

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