Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 5 (August 1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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S, Austrittsgesuch 193 wärme verlassen und sich draußen umsehen? . Es kommt ia doch alles, wie der Qeist es will. Wir leben unser Innenleben. So leben wir alle Tage! — Daß es viele Juden gibt, die die Qualifikation zum Zionismus nicht besitzen, ist richtig. Viele möchten wir nie in unseren Reihen sehen, und ^manchen, der da ist, sähen wir gern scheiden. Geeignet für uns sind nur Menschen von einer im letzten Grunde idealistischen Lebensauffassung, Diese Voraussetzung, aber auch nur sie, müssen wir verlangen. Wenn nichts anderes mit den schwülstigen Worten gesagt sein sollte: „Dazu gehört .. . der erste Satz des geistigen Zionismus, daß nicht das Leben über alles zu stellen sei, sondern das s nnvolle Leben — für Einzelnen wie Gemeinschalt" — so können wir ihm zustimmen. Ich fürchte aber, daß damit mehr gesagt sein soll. Das „sinnvolle Leben" der „geistige Zionismus" erscheinen mir verdächtig. Wenn mit ihnen wirklich nur die Ablehnung eines äußerlichen Zionismus, der JKorporationsfatzkerei, des K. C.-ertums im K. J. V. gemeint ist, so sind wir alte einig. Es scheint aber mehr darin zu stecken: nämlich das Programm einer „Jugendgemeinschaft". Wenn unter Jugendgemeinschaft aber verstanden werden soll eine Gruppe, die ihre Unfertigkeit für einen absoluten Wert hält, die das Gefühlsleben nicht nur das Fundament, sondern auch den Inhalt ihrer gegenseitigen Beziehungen sein läßt, deren Mitglieder nur miturd von einander zu existieren imstande sind — so-muß mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß das K. J.V. in diesem Sinne?<pine Jugendgemeinschaft ist. Das K. J. V. ist eine Jugendorganisation, die die Menschen/die sie erfaßt, zur Reife und Selbständigkeit erziehen will. Es will der zionistischen Bewegung, die es als eine Bewegung reifer Menschen, als eine Männerbewegung betrachtet, den qualifizierten Nachwuchs liefern. Dieser Nachwuchs, wird nicht in der schwülen Enge des sogenannten Gerfteinschaftslebens erwachsen, wo sich Herz zu Herzen findet. Sehr viele Produkte dieses Gemeinschaftslebens, die wir bisher zu beobachten Gelegenheit hatten, lehnen wir ab, weil sie nur von und in ihrer Gemeinschaft zu existieren scheinen. Ihr Zionismus ist nicht unter Kämpfen errungen, sondern hat sie offenbar rein stimmungsmäßig erfaßt: er pflanzt sich innerhalb der Gemeinschaft sozusagen durch Ansteckung fort. Diese Selbstverständlichkeit der zionistischen Entwicklung ist trügerisch; so wurzelt kein Westjuile von Hause aus in seinem Volke, daß sein Nationalismus* noch dazu in der Form des Zionismus, ihm wie ein Geschenk in den Schoß fallen könnte. Der Zionismus will erworben und gedanklich befestigt sein; ein , Zionismus, der nur „Gemeinschaftserlebnis" ist, läuft Gefahr, sich ebenso schnell zu verflüchtigen, wie er sich übertragen hat. Der Beweis der Haltbarkeit des Gemeinschaftszionismus außerhalb der Gemeinschaft, aus der er stammt, muß erst noch erbracht werden.