Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 5 (August 1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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192 S., Austritfsgesuch Es verlohnt, der Begründung dieser-Austrittserklärung-einige ]Worte zu widmen, weil sie teilweise typischen Charakter besitzt. Wir sehen einen der nicht mehr seltenen Fälle, daß ein „wertvoller Mensch" für das K. J.V. wertlos ist. Die Forderung: „Mehr Samson Raphael Hirsch als'Theodor Herze" dürfte allerdings einer höchst persönlichen Auffassung des ^Schreibers entspringen und braucht hier nicht erörtert zu werden. Typisch dagegen ist die Ablehtiung der Keilarbeit — nicht nur der "mit unlauteren Mitteln betriebenen, die natürlich jeder K. J. V.-er als unwürdig empfindet — und die damit verbundene Forderung bestimmter Voraussetzungen für die Aufnahme ins K. J.V. Das Keilen lehnt der Schreiber ab, weil er der Idee vertraut, daß sie uns die tauglichen Menschen von selber zuführe. Die Absurdität dieser r Begründung liegt zutage. Qibt es unter 600 000 deutschen Juden bisher wirklich nur 15 000 für uns Taugliche? Wer kann denn von sich behaupten, daß er ganz von selber, durch die Kraft der Idee, Zionist geworden sei? Uns alle hat doch rächt eine geheimnisvolle, magnetische Strömung zum Zionismus gezogen, ob wir wollten oder nicht. Irgendwann, irgendwie mußten wir den Zionismus erst kennen lernen, irgend jemand uns von ihm erzählen. Das Leben ist einmal nicht nur innere Bestimmung, .die Macht des Zufalls kann aus ihm nicht fortgedacht werden; und so bestimmt wir eine jüdische Disposition für den Zionismus mitbringen mußten, ebenso bestimmt mußten wir diese konkrete geistige und politische Ausmünzung des jüdischen Rohstoffs erst begreifen lernen. Bequemer ist es allerdings, den Ablauf der Dinge dem Walten der Idee zu überlassen. Aber wir sind nicht kismetgläubig. Unser Zionismus verlangt nach aktiver Entfaltung. Wir sehnen uns danach, ihn anderen mitzuteilen, neue Menschen zu erfassen, anderen das Qlück der nationalen Erweckung mitzuteilen, wie es uns zuteil wurde, auch, und sogar gerade dann, wenn sie unmittelbar vor der Taufe stehen. Uns blutet das Herz um jede Seele, die. der Assimilation verfällt. Es ist eine für jeden sehenden Menschen durch hundertfache Erfahrung widerlegte Behauptung, daß ein wertvoller Mensch sich spätestens nach zwei Semestern vom K. C. angewidert abwenden müsse. Ich glaube auch, daß wirklich innerlichen Menscjien die sogenannte K. C.-Idee nichts zu bieten hat. Sie werden darum, auch als K. C.-er, dem Judentum verloren gehen — zweifellos noch viel hoffnungsloser, als die schlimmsten Alten Herren des K. J. V. — und den Schwerpunkt ihres geistigen Lebens in andere Interessengebiete verlegen. Zionisten aber werden sie nicht werden. Diese lächerliche Erfindung eines Gesetzes, wonach die Juden sozusagen nach höherer Bestimmung teils dem Zionismus, teils der Assimilation zugeführt werden, konnte nur gemacht werden in einem Kreise, der von dem Zustande des deutschen Judentums keine blasse Ahnung hat. Warum soll man auch das berühmte Gemeinschaftsleben mit seine? behaglichen Nest*