Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 5 (August 1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537737-3537742--4615-3542370- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
S., Aulstrittsgesuch 19t Nim wird weiter eingewandt» das K- JvY- Sei eine Erziehungsgememschaft, setze keinerlei Wertigkeit" voraus. Das. läßt sieh sogar dahin verschärfen, daß es, als Jugendgemeinschaft, keinerlei Fertigkeit voraussetzen darf. Aber es ist doch nicht zu verkennen* daß es Strebungen gibt, die wohl erzogen und gezüchtet werden können, wo sie da sind, die aber nie und nimmer von außen her in einen, hineingebracht werden können. Und dasu gehört ganz zweifellos der erste Satz des geistigen Zionismus, daß nicht das Leben über alles zu -stellen sei, sondern das sinnvolle Leben — für Einzelnen wie Gemeinschaft. Es gibt Buindesbrüder, und sehr viele Bundesbrüder, bei denen alle Hoffnung, sie zu einsichtiger Erkenntnis dieser sittlichen Notwendigkeit zu bringen, eitel ist, und als solche erfreulicherweise auch von ihnen selbst erkannt wird- So gibt es auch manchen der die baldige Trennung dieser beiden, grundsätzlich anders eingestellten Richtungen durch Spaltung des K.J.V. fordert. Ferner — es ist gewiß nicht zu leugnen, daß die Keilarbeit des K. J- V* manchen jungen Menschen davor zurückgehalten hat, seine Kraft der deutschen Jugendbewegung zu schenken und der jüdischen, die alle Kräfte so nötig braucht, zu entziehen. Aber diese Tatsache gibt noch kein Recht, daß Leute die vielleicht vor wenigen Semestern vor der Taufe standen, deren innere Berührung mit dem Judentum nicht sehr tief ist, sich Führ erstellen im Zionismus speziell im K. J. V., anmaßen, und. so eine Gefahr für den jüdischen Charakter des K. J. V., der doch nicht allein in der jüdischen Abstammung der Mitglieder bestehen kann, darzustellen. Ich hatte zum letzten Kartelltag Anträge eingereicht, deren einer in der Forderung gipfelte: Mehr Hirsch als Herze! Vielleicht ist diese Formulierung zu sehr off Aber die Begründung des Antrags zeigte klar, was ich meinte: daß für uns das alte festverwurzelte Judentum das erste sein müsse, der Zionismus nie als Selbstzweck angesehen werden dürfe, daß es unsere Fflicht sein müSle, eher T'nach als Rath zu lernen. Es wurde mir darauf erwidert daß ich mit d»eser Forderung die Entwicklungsmöglichkeiten des K- J. V. verkenne. Ich muß sagen, daß ich sie so heute noch verkenne. Was soll ich noch weiter sagen? Soll ich schildern, wie weit das K. J. V. von der jüdischen Jugendbewegung entfernt ist; wie jämmerlich es einem anmutet, wenn es Erstchargierte gibt die unter Jugend etwa Lebensgenuß verstehen, zu Keilkneipen auffordern, vielleicht auch Damenausflüge veranstalten wollen, so sich der Zeit bewußt werdend? Daß die Formen die die deutsche Studentenschaft in ihren guten Zeiten herausgebildet, die die jüdische Studentenschaft später übernommen hat und in wesentlichen Punkten npch aufrecht erhält, indes der Teil der deutschen Studentenschaft, der allein das Recht hat, sich Student zu nennen, sie längst über Bord geworfen hat, ist nicht anders als als widerlich zu bezeichnen * - Diese Gründe reichen zur Rechtfertigung meines Austritts aus. Hochachtungsvoll