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Der jüdische Student · 1919-08-01 · Heft 5 (August 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 5 (August 1919)
Date
1919-08-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Deutschmann, Die .Einheit des Kartells 189 auch die Differenzierung der Verbindungen kommt nicht in Betracht, denri auch sie ist, wie oben erwähnt, nichts Neues. Und so muß man denn leider zu einem verhängnisvollen und betrübliehen Schluß kommen, daß man die Grundprinzipien unseres Kartells verkennt, daß man die einigende Kraft des Zionismus nicht richtig einschätzt und statt dessen andere Prinzipien betont, die trennend wirken sollen. Welche Prinzipien sind das aber nun? Als Antwort erhält man etwa, „die Art der Lebensform". Nun, damit, meine ich, bricht das Trennungsprinzip in sich selbst zusammen. Denn zunächst einmal möchte ich fragen: wieviel Arten von Lebensformen gibt es denn? Der wahrhaft selbständig denkende und empfindende Mensch wird sich stets seine eigene Lebensform zu schaffen suchen — und so kommen wir denn konsequent dazu, daß jeder seinen eigenen Ring bildet. Aber, um von der Theorie abzugehen: als das wahrhaft Trennende wird von denen, die die Einheit des Kartells durch Ringbildung aufheben wollen, die Art angesehen, die durch Blau-Weiße ins Kartell gebracht worden ist. Aber bei diesen Bestrebungen wieder handelt es sich, wie ein älterer Bundesbruder neulich meinte, um Zeitströmungen, und gegen solche kann man sich auch durch eine chinesische Mauer nicht in einem Ringe abschließen: sie wirkt weiter fort und dringt überall ein und würde fortlaufend wieder auch zum Auseinanderfall innerhalb des Ringes führen müssen. Denkt euch z. B, — um eine Parallele zu ziehen — einen Ring bei uns, der sich gegen den Sozialismus erklären würde: auch in ihm würden bald nach demselben Gesichtspunkt Differenzierungen auftreten, falls anders in ihm sich Individuen befinden, die sich mit den Strömungen in der Umwelt auseinandersetzen wollen, und er nicht — wie es uns immer fern gelegen hat — ein Korps bilden will, das nach bestimmten geregelten Schlagworten zu einem Typ erzieht. Damit hängt es auch zusammen, daß bei uns Reibungsflächen zwischen den Einzelnen bestehen und bestehen müssen; nur darf man daraus nicht Schlüsse herleiten wie: die Einheit im Kartell besteht nicht mehr. Sie besteht, wenn ihr sie als das auffaßt, das sie uns immer gewesen ist. als das Gefühl der Kampfgenossenschaft, die uns verbindet. Und dann werden wir auch dazu kommen, unsern Bund nicht einseitig unter dem Zeichen der in den Verbindungen arbeitenden Aktivitas zu beurteilen. Ich möchte nicht mißverstanden werden: ich weiß sehr wohl, daß der jugendliche Geist, der von ihr ausgeht^ dem Kartell Ziel und Richtung gibt; ich weiß, daß die Jugend die Quelle ist, die allein immer wieder neue Kraft spenden kann. Aber das hindert nicht, zu erkennen, daß die Lebensform der jungen Jahre zuletzt doch in der Entwicklung sich abschleift; und die Erziehungsprodukte sehen sich manchmal bei vollkommen anderer Lebens^ form doch recht ähnlich, der Schillerkragen fällt und der Frack kommt auch hier zu seinem Recht. Das ist eine Erfahrung, die man bei den älteren Blau-Weiß-Führern z. B. schon heute mit voller

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