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Der jüdische Student · 1919-08-01 · Heft 5 (August 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 5 (August 1919)
Date
1919-08-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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188 Deutschmann, Die Einheit des Karteils mäßig zur Fusion hatte führen müssen, dem Begriff einer organisatorischen Erfassung der inneren Differenzierung diametral entgegengesetzt. Ich sage „der organisatorischen Erfassung der inneren Differenzierung", ich sage nicht „der inneren Differenzierung*4 selbst. Denn es ist wirklich mehr als eine schöne Phrase gewesen, wenn es bei uns — sowohl im B. J. C. als auch im K. V. — hieß, daß die organisatorische Zusammenfassung uns nicht nur nicht die Unterdrückung des Individualismus bedeute, sondern daß wir sogar im Gegenteil erstrebten, die Individualität des Einzelnen zum , Wohle der Gesamtheit nutzbar zu machen. Mit anderen Worten: der Einzelne konnte wohl seiner Veranlagung nach ein jüdischer Korpsier sein — der Bund als solcher aber war niemals ein zionistisches Korps. Und auch damals schon bestanden Gegensätze in einzelnen Anschauungen — sei es auf dem Gebiet der Erziehung oder Lebensform, sei es auf dem Gebiet tendenziöser Anschauungen innerhalb des Zionismus — nicht nur zwischen den Individuen, sondern auch tatsächlich schon zwischen Korporationen: ich erinnere an die 'Gegensätze zwischen V. J. St. Berlin und V. J. St. Maccabaea, deren Fruchtbarkeit klar zutage liegt und die trotzdem niemand damals an der „Einheit" des Kartells haben zweifeln lassen. Man begann eben zu empfinden, daß die übergeordnete Idee des Kartells, der Zionismus, nicht nur etwa übergeordnet sei in dem Sinne, daß er ein Bekenntnis zu ihm erfordere, sondern daß er eingriff in jede Regung des Einzelnen und des Kartells. Deshalb entstand auch an der Idee der Einheit kein Zweifel, ja, deshalb mußte sie zu einer konstanten Entwicklung führen, in deren Verlauf die Fusion von B.J.C. und K.Z.V. den Höhepunkt bildete. Der Zionismus aber ist Bewegung, er ist „das Jüdische Volk unterwegs". Das bedeutet für uns ein gemeinsames Kämpfen und Ringen, den Begriff der Kampfgenossenschaft. Deshalb muß der Gedanke der Einheit von uns so empfunden werden, wie ihn zeitweise das deutsche Volk in diesem Kriege empfand, wenn es sich im gemeinsamen Ringen (nach einem, wenn auch utopischen Ziel) unter Hintansetzung aller persönlichen Anschauung geeint fühlte. Mit dem B'egriff der Kampfgemeinschaft ist deshalb auch unser Begriff von Bundesbrüderlichkeit untrennbar verknüpft. Andere mögen sich Bundesbrüder nennen, weil sie in einem Bunde gemeinsam ihre Jugendjahre verleben — wir sind Bundesbrüder, weil wir Kampfgenossen sind, weil wir das Ringen nach dem Ziele miteinander erleben, sei es in dem jugendlich-fröhlichen Drang der Aktivitäts jähre, sei es in der ernsteren Arbeit als Alte Herren. Und wenn man das bedenkt und empfindet, wie kleinlich erscheinen da alle Bestrebungen, die die Vernichtung dieser Einheit durch die Ringbildung im Kartell anstreben. ,Was führt dazu? Die Differenzierung der Individuen kann es nicht sein; das würde der traditionellen Auffassung in unserem Bunde widersprechen. Aber

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