Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem Ältherrenbunde 165 der Gemeinschaft, ist die Frage, ob in uns jene große Liebe vorhanden ist, daß wir den Zwang empfinden, mit den anderen als menschliche Einheit zusammenzuleben. Nur der kann dieses Leben in unserem Lande führen, der weiß, daß er dort leben muß, und nur die werden nach Palästina gehen, die wissen, daß dies ihr absolutes Schicksal und ihr Lebensglück ist. Der Zionismus ist also eine Jugendbewegung, an der man tätigen Anteil nehmen muß. Es genügt nicht, wenn jemand wohlwollend erklärt, daß er der Jugend verständnisvoll gegenübersteht, ebensowenig wie die Eltern ihren Kindern verständnisvoll gegenüberstehen können. Sobald man gegenübersteht, ist man Beobachter, Betrachtender und lebt nicht mehr mit: es herrscht dann eine vollkommene Separation. Lebten wir unter normalen Verhältnissen, dann würde es uns vielleicht garnicht interessieren, ob immer wieder eine ältere Generation da ist, die naturgemäß von der Jugend keine'Ahnung hat. Was aber bedeutet uns die Jugendbewegung? Jugendbewegung ist nicht die Bewegung einer Altersklasse, nicht einmal die deutsche Jugendbewegung, besonders seit den Jahren 1913/14 Diese ist übrigens im tiefsten' Grunde anational; sie ist GruppengeHige. Unsere Jugendbewegung aber ist national, aus Gruppengefühl heraus zum Volksgefühl hinführend. Es ist die Bewegung, die das Volksleben umgestalten oder es schaffen will. Deshalb ist die jüdische Jugendbewegung der Zionismus, denn er ist die Bewegung des jüdischen Volkes, die die Menschheit jung machen und die Dinge mit sich beginnen lassen will Unsere Aufgabe ist es, alle Regungen dieses Lebens mitzumachen. Unzweifelhaft wird es viele geben, die das nicht mehr können; für den Aufbau des neuen Lebens werden sie nur sehr bedingt in Frage kommen. Der Boden, auf dem wir aufbauen, ist seht steinig. Der natürliche Gang der Entwicklung ist Assimilation. Die anderen müssen dem Milieu erliegen, nicht weil sie bewußt Assimilanten sind, sondern weil das Leben so stark ist, daß sie ihm nicht widerstehen können; sie verfallen dem Gesetz der Schwere Wir haben kein Sonderdasein, Sonderwirken. Die Minderheit muß sich der Mehrheit assimilieren. Dieser Prozeß wird nur aufgehauen, wo man dem Strom des Lebens der Deutschcn den eigenen gegenüberstellt, wo man unmittelbar ein Sonderleben schafft. Das können nur gewisse Teile des deutschen Judentums und auch nur gewisse Teile des deutschen Zionismus. Durch unsere Propaganda haben wir erreicht, daß viele Zionisten sind, die es eigentlich nicht sein dürften. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn diese Leute versagen; sie müssen versagen ihrer ganzen inneren Natur nach. Das wahre Problem der Alten Herren besteht darin, immer wieder zu versuchen, jüdisch zu leben. Freilich darf man das Leben nicht mechanisch gestalten, sondern nach den verschiedenen Anlagen und Neigungen. Man kann sich auch auf verschiedene Weise vorbereiten. Die Sprache ist ja nur ein Ausdruck der menschlichen Seele, nicht der einzige. Aber die besten Lehrer nützen nichtg, wenn nicht die Leute anders, nicht jüdisch leben, und alle Kurse blühen nur durch die Selbstatbeit dere% die darin sind Auch jüdische Wissenschaft gibt es nur bei jüdischem Leben, sie bedarf der Resonnanz im Leben des Volkes. Darum ist auch von einer besonderen Altherren-Organisation keine Abhilfe zu erwarten. Ihre Tätigkeit hilft nur dem. der arbeiten will. Alte