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Der jüdische Student · 1919-06-01 · Heft 4 (Juni 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 4 (Juni 1919)
Date
1919-06-01
Page
[Seite] (sequence 56)
Language
German
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164 Aus dem Allherrenbunde es die Aitherren-Frage nur als Nebenaufgabe betrachten und nicht zum Brennpunkt seiner Tätigkeit machen konnte, und indem er die Forderung einer besonderen Altherren-Organisation aufstellte. / Dieser Forderung stellte sich B1 u m e n f e»I d in seinem Referate über die Aufgaben des K. J. V. entgegen, indem er etwa folgendes ausführte: Nachdem uns die Einheitlichkeit des Kartells wiedergebracht und die Kartellmüdigkeit überwunden worden war, galt es, die Anschauung durchzusetzen, daß der Aufbau Palästinas nur möglich ist, wenn wir schon hier im Oaluth die Anfänge des jüdischen Lebens vorbereiten. Denn Palästina strahlt nur dem aus, der nach Palästina «hinstrebt. Diese Vorbereitung geschieht nicht nur durch Palästina, sondern auch durch nationale Schulen, aktive jüdische Politik, hebräischen Unterricht u. a Das, was Menschen am tiefsten verbindet, ist die Gemeinsamkeit geistiger Güter, und stärkster geistiger Besitz ist die Sprache. Sprache und alle Aeußerungen des Lebens müssen gemeinsam sein den Zionisten in Palästina und im Gallith. Diese Entwicklung ist nur möglich, wenn sie getragen wird von Menschen, welche die Vorstellung haben, daß Zionismus die umwälzende Bewegung des deutschen Judentums ist. Denn Zionismus ist kein Programm, sondern das jüdische Leben selbst. Es gibt zwar viele Anschauungen im Zionismus, und begrifflich kann er auf die verschiedenste Art formuliert werden, allein nicht das ist das Entscheidende. Zionismus ist Epoche, will neue Zeit sein, und neue Zeiten Werden nur dadurch eingel itet, daß eine neue Idee aufkommt. Aber auch das reicht nicht ganz aus, die Träger der neuen Idee wollen zugleich auch etwas Anderes. Sie treten auf mit dem Gefühl, daß sie einen neuen menschlichen Charakter schaffen, sie haben die Vorstellung, die befreiende Tat für die menschliche Seele zu tun. Man denke z. B. an Rousseau, Montesquieu, die in dem Bewußtsein lebten, einen neuen Charakter des Menschen zu schaffen, des befreiten, sieghaften, strahlenden, revolutionierten Menschen. Nur der Mensch ist frei, der lebt im Zusammenhange der Geschlechter, der weiß, daß Nation, Volk Bindungen sind, in denen allein man frei sein kann. Der Zionismus erhält seine Legitimität nur dadurch, daß er gleichfalls auftritt mit dem Anspruch, den alten Typ des Menschen ablehnen zu dürfen, eine neue Art von freien Menschen zu schaffen und dadurch das Judentum zu revolutionieren. So liegt auch in Herzls Mauschel der tiefe menschliche Glauben, den Typ des Mauschel ab ehnen und ihm den neuen Typ des Zionisten gegenüberstellen zu können. Für uns K. J. V.-er beginnt jedes jüdische Leben mit der Erkenntnis, daß wir den bisherigen Typ ablehnen und einen neuen schaffen. Diese Anschauung wird zwar begriffen, aber im Leben nicht immer durchgeführt : wir haben andere Begriffe, sind aber im menschlichen Typus nicht verschieden. Die ganze Frage des Alten Herrn ist die Frage nach diesem neuen Typ. Weil es nicht gelungen ist, den Zionismus zu einer menschlich-revolutionierenden Bewegung zu machen, sind wir bisher nicht weiter gekommen. Wird es uns nicht mög ich sein, schon hier die Vorform für ein geschlossenes Leben in Palästina zu schaffen, so wird es uns erst recht nicht möglich sein, in Palästina mit dem jüdischen Volke zusammenzuleben, das ungemein reich ist an Lebensäußeiungen, Begriffen und Anschauungen. Das ganze Problem ist das Problem des Zusammenlebens in

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