Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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154 Vom Präsidium Die .zweite Kategorie hat es fertig gebracht, daß wir in diesem Semester gegen jedes Programm mit der Neugründung von Stammtischen in Tübingen und Marburg freudig überrascht wurden. Sie kümmert sich um Kartellinteressen gar nicht und macht so jede planmäßige Arbeit zur Unmöglichkeit. Qegen diese Bundesbrüder werden wir in Zukunft mit aller Schärfe vorgehen und gegebenen Falles auf ihrer Entfernung aus dem Kartell bestehen. Für das kommende Semester haben wir uns die Aufgabe gestellt, in Leipzig, Hamburg, Würzburg, Münc hen und möglichst auch in Münster,Rostock und Halle arbeitsfähige Korporationen zu schaffen, ohne die übrigen Kartellverbindungen übermäßig zu schwächen. Zirf diesem Zwecke werden Freiburg und Heidelberg, aber auch Berlin, Breslau und Göttingen einen Teil ihrer? Aktiven hergeben müssen. Wir beginnen mit der Ueberweisungstätigkeit schon jetzt, damit ein jeder Gelegenheit hat, sich mit uns zu beratschlagen und uns einen Ausgleich zwischen den persönlichen Interessen und denen des Kartells zu ermöglichen. Wir gehen dabei von dem Prinzip aus, dkß besonders die nicht in einer Universitätsstadt ansässigen Bundesbrüder zu unserer Verfügung stehen müssen. Dem Großstädter, der nur ein oder zwei Semester ausseiner Heimatstadt fortgehen kann, muß man weit eher Freiheit in der Wahl seines Studienortes lassen, als demjenigen, der ständig außerhalb studiert. Die Bundesbrüder, die sich die Universitätsstadt frei wählen können, müssen zwei bis drei Semester dem Kartell zur freien Verfügung stehen, sie müssen diese Zeit als ihr K. J. V. - D i e n s t j a h r betrachten. Wir halten es weiter für die Aufgabe der Korporationen, durch erzieherische Einwirkung das notwendige Pflichtbewußtsein in den Jüngeren hervorzurufen und uns bei der Durchführung unserer Aufgaben zu unterstützen. Wir werden daher den Chargierten unsere den einzelnen Bundesbruder betreffenden Absichten rechtzeitig mitteilen, damit sie durch persönliche Einwirkung den einzelnen zur Pflichterfüllung anhalten können. Wir hoffen durch planmäßige Verteilung unseres Menschenmaterials über die Kartellkorporationen die1 Vorbedingungen für erfolgreiche Innen- und Außenarbeit schaffen zu können. Alle unsere Bemühungen aber müssen nutzlos bleiben, wenn es uns nicht gelingt, in den Korporationen und im Einzelnen freiwillige Unterordnung und Verantwortungsgefühl für das Ganze wachzurufen. Bertold Cohn