Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3537599-3537737-3537741--4565-3542319- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
142 Fischer, Der V. J. St. Berlin lesen. Das zweite Mittel ist, das Erlernen der'hebräisehen Sprache. Setzen wir konsequent diese Erziehung fort, so werden wir es erreichen, daß sich das Haus eines V. J. Sters ypn dem eines Assimilanten nicht nur durch Herzlbild und Nationalfondsbüchse unterscheiden wird. In dieser Beziehung werden durch die vom V.J.St. Berlin gepflegten Altherrenabende die Alten und die Jungen manches gewinnen. Bei aller Palästina- Jiebe dürfen wir die Diasporajudebiheit nicht als Quantite negligeable betrachten; einerseits als Reservoir für Zion, andererseits als die große Zahl Stammesgenossen, die, territorial unerlöst ihr Volksbe wustsein und ihre Einheit nich$ aufgeben darf und nicht aufgeben wird; das wäre nationale Selbstverstümmlung. Wie sich auch die Golusprobleme darstellen, geht über den Rahmen dieses Aufsatzes; aber das sei gesagt: Zionismus, Judentum und Judenheit ist uns eins. Nicht nur der Konnex mit unseren Alten Herren, sondern auch den mit der zionistischen Gesellschaft und Oeffentlichkeit zu pflegen, müßte uns Pflicht werden. Ich halte in dieser Hinsicht gesellige Veranstaltungen keineswegs für unjüdisch. Das ist in großen Zügen das Programm des V. J. St. Berlin; noch nicht ganz verwirklicht, geht es in sicherer und schneller Entwicklung seiner Durchführung entgegen. Konzentrierter wird die Entwicklung bei uns werden, wenn die Jugend in jüngeren Jahren vom Zionismus erfaßt wird; solange das Gros unserer neugewonnen Füxe krasse Assimilanten sind, kann nicht anders gearbeitet werden. Auf den eventuellen Einwand, warum die ältere Generation bei ähnlicher Methode die Erwartung nicht erfüllt hat, ist zweierlei zu erwidern: Erstens, nur in allmählicher Entwicklung konnte aus dem Bekennen des Judentums Erkennen und aus diesem Erleben werden, zweitens,? der Mangel an Geduld, der, wenn das Erziehungsprogramm nicht in einem Semester sichtbare Erfolge zeitigte, ein neues Programm suchte und schwankend Judentum bald so und bald anders sehen ließ. Heute, glaube ich, kann reiche Erfahrung der Vergangenheit die Erziehung kontinuierlich gestalten und alter Traditionslosigkeit und fortwährenden, nur aus Ungeduld geborenen Neuerungen ein Ziel setzen. Bei dem ehrlichen Willen unserer Aktivitas und der prächtigen Fuxenschaft wird unter Mitwirkung unserer Alten Herren, die zum Teil sehr viel und mit herzlicher Hingabe an der Korporation mitarbeiten, der V. J. St. Berlin, ungeachtet aller Schmähungen der Berufsneuerer und sich Besserdünkenden, seinen Weg unbeirrt geh^n. Mit neuer und junger Kraft wollen wir den alten V. J. St., den alten nicht in seinen äußeren Formen, sondern in seinen Inhalten, zu frischem Leben erwecken aus dem Schlaf der Wintersemester und der Verwirrung, die manche Kreise In das Kartell hineingetragen haben. Elias Fischer