Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Fischer, Der V.J.St. Berlin Geist, erfüllt von Ehrlichkeit und Gerechtigkeit; sozialer Sinn nicht als Programm, sondern als Qeist und Erlebnis kann nur Produkt von Erziehung sein. Die Volksheimidee steht innerlich, glaube ich, keinem so nahe, wie vielen Bundesbrüdern vom V; J. St. Berlin; stellt sich doch gerade ihnen der V. J. St als ein Heim dar, in dem1 sie leben und sich erziehen lassen wollen. Im Gegensatz zu Siegfried Lehmann lehnen wir es ab, junge Bundesbrüder, die selbst noch erziehungsbedürftig sind, als mangelhafte Erzieher auf Volksheimkinder loszulassen; selbst ein fünfmonatlicher Kurs macht diesen Mangel nicht wett; dagegen werden Bundesbrüder, die einige Semester V. J. St.- erleben Jiinter sich haben, mit gebotener Eignung und mit Freude im Volksheim mitarbeiten können. Disziplin, Bundesbrüderlichkeit und körperliche Regeneration durch Sport und Turnen sollen dazu beitragen, an Stelle weichlichen und weiblichen Getthogeistes Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Männlichkeit und Liebe zu Gerechtigkeit zu wecken und zu fördern; mehr als ein Anfang, die Judennot in uns zu brechen, kann es nicht sein; es vollständig und gründlich zu tun, bleibt Erez Israel vorbehalten; die Korperation soll" uns nicht tganz wertloser' Ersatz einer jüdischen Heimat sein; und uns im V. J. St. Berlin ist sie das. ' Zur zweiten der obengenannten Stufen wäre ja erst die Frage zu beantworten, ob in der Diaspora, zumal noch im Westen, eine Möglichkeit gegeben ist, jüdische Lebensinhalte und Lebensformen zu schaffen. Inhalte und Formen jüdischer Zukunft heute zu definieren, ist niemand Prophet genug. Erstehen werden sie aufl unserem Territorium bestimmt von dem inneren und äußeren Ausgleich all derer, die aus allen Weltgegenden hineinströmen werden, beeinflußt von der Wirtschaft und anderen Faktoren. Nicht überheblich in gute und schlechte Zionisten scheidend, nicht marktschreierisch fordernd, sondern organisch herauswachsen sehen wir; unsere Palästinaeinstellung aus dem Wunsch nach jüdischen Formen und Inhalten. Eine nicht unbeträchtliche Anzahl vom V. J. St. Berlin strebt, ohne das übliche Protzentum mancher Zionisten, ehrlich und baldigst nach Erez Israel; für diese bis zur Verwirklichung ihrer Wünsche und solche, die hierbleiben müssen, ist der V, J. St Berlin ein wertvoller und nicht gering zu schätzender Ersatz, indem er versucht, unserm guten, alten Judentum gewisse Formen abzulauschen. Kirschner zeigt unten, wie wir unsere Festtage und Freitagabende (letztere fallen nur wegen derzeitiger äußerer Schwierigkeiten vorläufig vom Programm) nicht frömmelnd etwa, sondern unter dem Gesichtswinkel nationalen Gehaltes zusammen verleben und feiern, Inhalte unserer Bibel kennen zu lernen und zu verstehen suchen. Beim Fortschreiten der hebräischen Kenntnisse halte ich es für nicht zuviel, wenn wir gemeinsam in den Wochenabschnitten aus dem Chumesch