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Der jüdische Student · 1919-06-01 · Heft 4 (Juni 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 4 (Juni 1919)
Date
1919-06-01
Page
[Seite] (sequence 32)
Language
German
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140 Fischer, Der V.J. St Berlin schichte, Volks- und Palästinakunde müssen das Hauptziel des erstsemestrigen Lernprögramms sein; eine Einführung in die Tagesfragen muß parallel laufen. Die Einführung in die Volks- und Gegenwartskunde wird das Auge klar und scharf machen für die jüdische Not, die ökonomische der Massen und die psychologische des Individuums. Eine Jahrtausende lange Knechtschaft, die ununterbrochene Kette von Verfolgungen haben Eigenschaften in uns geschaffen, die freier Menschen nicht immer würdig sind. Qettholuft und Qettholeben mit ihrer Zwiespältigkeit und Wurzellosigkeit haben den inneren und äußeren Menschen heruntergedrückt, den Sinn für die große Gemeinschaft umgemünzt in enghorizontige Familienliebe und Familienegoismus. Die Emanzipation hat die Golusschlacken ins Leben gezerrt und sie vervielfältigt. Die Sucht, zu gelten, hervorzustechen, ungesunder Ehrgeiz auf der einen, Duckmäuserei und die bekannten; Mauscheleigenschaften auf der anderen Seite, allfdies ebenso wie der krumme Rücken und die degenerierte Körperlichkeit ist die natürliche Folge einer unnatürlichen Entwicklung und Geschichte. Diesen Sumpfv den Generationen geschaffen, trocknet nicht ein einziger Sonnenstrahl, allein das Bekenntnis zum Zionismus; viel Arbeit und Energieaufwand für die menschliche Höhergestaltung unseres Volkes und unserer Individuen muß geleistet werden. Eine echt jüdische Aufgabe ist es, uns wieder zu einfachen, primitiven und geraden Menschen zu erziehen, zu heilen vom Mangel an Gemeinsinn und vom Ueberflfuß an wurzelloser, allzu individualistischer Geistigkeit, von der umsponnen sich jeder zweite bald in unsern Reihen als wahrer und echter Prophet dünkt. Herzls bekanntes Wort muß erweitert werden: Rückkehr zum Menschentum und Judentum vor der Rückkehr ins Judenland. In „Jawne und Jerusalem" sagt Bergmann: „. . . . das Judentum ist nichts als das Ganze, das Integral von all dem, was jüdische Menschen tun; darum darf unserem Streben nichts Menschliches fremd sein; alles Menschliche muß bei uns heimisch werden!" Die menschliche und jüdische Erziehung muß unser Ziel sein; das Menschentum in uns wieder auf- und höherzu« pflanzen. Die erste Forderung ist da die Hebung des Gemeinsinns. Am Kleinsten muß der Anfang gemacht werden; wer es gelernt hat, in d«ie Korporation bedingungslos sich einzustellen, wird bei der größeren des Volkes es ebenso tun. Disziplin — nicht militärische, sondern vom Zwange freie, sinnvolle und gern gepflegte —, sowie herzlichste, freundschaftliche Bundesbrüderlichkeit sind die Hauptforderungen des K/ J. V. Berlin. Nicht historische Reminiszenz, wie neuerdings leider vielen K. J. V -ern. sondern wirklich inhaltsvolles Erleben ist uns vom V.« J: St. Berlin die Bundesbrüderlichkeit. Ernst -gepflegter Gemeinsinn in der Korporation muß und wird bei uns nicht zu Standesdünkel führen; im Gegenteil, zu sozialem

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