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Der jüdische Student · 1919-06-01 · Heft 4 (Juni 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 4 (Juni 1919)
Date
1919-06-01
Page
[Seite] (sequence 26)
Language
German
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134 Simon, Die innere Krisis / überheblich; freuen wir uns, daß diese Frage nach dem Sinn des Kartells, die zu stellen eigentlich schon sie verneinen heißt nicht mit einem Programtn, nicht mit dem Namen eines Einzelnen, sondern mit dem Hinweis auf einen lebendigen, wirklich existierenden Organismus beantwortet, und also bejaht werden kann. Zwei Ursachen aber sind es, die den Ruderverein zu dem machen, was er ist, wenn; wir jetzt von der schon gewürdigten Bedeutung der Alten Herren absehen. Die erste ist, daß unsere Bundesbrüder gewöhnt sind, von sich mehr zu verlangen, als man „eigentlich verlangen kann". Seit wann mißt ein K. J. V. -er seine Leistungen an denen eines Normalmenschen? Ihr Fuxmajore sagt euren Füxen, daß sie an Zeit und Energie, mehr aufbringen können, als der Durchschnittsmensch, und sie werden es tun. Jeder Mensch ist das, wofür man ihnüialt; spürt jemand bei anderen den Glauben an "sich, so sucht er diesen Glauben zu rechtfertigen. Der Einwand, »das ist mehr, als ein normaler Mensch leisten kann", ist kein Argument, weil wir K. J. V.-er die Vortruppe eines Volkes sind, das an und für sich im Stadium der „heroischen Existenzform", also in einer höchst unnormalen und höchst ungewöhnlichen Phase sich befindet. Auch wir wissen, daß diese „Auslese" keine gesellschaftliche ist, gerade wir bekennen uns zu dem Gedanken, daß Standesbewußtsein und Nationalbewußtsein einander widersprechen und sich ausschließen, aber unser K. J. V.- erstolz soll ja auch nur ein Stolz auf die besondere Leistung sein. Der zweite Grund ist der, daß wir in unserer Tätigkeit bereits eine Form haben, daß es für uns kein „Formproblem" gibt. Eine Stunde Bootsreinigen ist für uns ganz so gemeinschaftsbildend wie Tour oder Training, Kurs oder Sprachschule — wir brauchen' nicht über die Dinge nachzudenken, weil wir sie leben. Ich glaube, daß mit diesen Worten auf einen Weg hingewiesen worden ist, den auch die anderen Kartellverbindungen gehen können. Lernt wieder etwas von Euch selbst verlangen! das ist unsere erste Forderung. Treibt Sport! das ist unsere zweite Forderung. Früher schien es einmal so, als ob das K. J. V. den jüdischen Sport in Deutschland werde retten müssen, heute ist es umgekehrt: der Sport wird das K. J. V. retten, weil er ihm neue, natürlich-gewachsene* gemeinschaftsbildende und lebendige Formen an Stelle der toten und zerschlagenen geben kann. Auf diese Weise wird sich zwar nicht von vorn herein K. J. V.-Stimmung schaffen lassen, wohl aber in den einzelnen Korporationen V. J. St.- Geist, und dann wird aus den verschiedenen, noch so differenzierten Vereinen wieder unser gutes, alt-neues Gefühl erwachsen. Berlin Ernst Simon I

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