Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Simon, Die innere Krisis 133 zu werden, welche theoretischen und praktischen Gesetze diesen Kämpfen eigentlich zu Grunde liegen,' ohne überhaupt noch zu wissen, der Ausdruck welchen Inhalts eigentlich die umstrittene Form war. Wir sind nun am Ende unseres Rückblicks und es erhebt sich die Frage: Was aber sollen wir tun, wenn «wir weiterschreiten wollen in die Zukunft? Werden wir diese so mannigfach differenzierten Kreise noch einmal zusammenstimmen lassen können in einem einheitlichen, starken K. J. V.- Gefühl? Ich sage Ja! trotz alledem Ja! und will versuche;!! einen Weg zu zeigen. Wenn im folgenden etwas mehr vom Ruderverein gesprochen werden wird, so verletzt das deswegen nicht die Gesetze der Bescheidenheit, weil nicht wir junge Generation das Verdienst an seiner günstigen Lage haben. Der Ruderverein hatte vielleicht als einzige Korporation des ganzen Kartells das ungeheure, garnicht hoch genug einzuschätzende Glück, einige jüngere Alte Herren zu besitzen, die einerseits „passiv" genug waren, die Fahne des/ alten Kartells in ihren Händen zu behalten, und andererseits „aktiv" genug, um sie der von ihnen inzwischen herangezogenen Generation zu übergeben. Das Resultat ist heute, daß wir alle im Ruder-V. J.St von echter Bundesbrüderlichkeit erfüllt sind, daß wir' keilen und hebräisch lernen, rudern und Geschichte treiben, Freunde und Bundesbrüder, V. J. St.- er und K. J. V.- er, Nationaljuden und Zionisten sind. Für den Ruder-V. J St. gibt es keine Kartellfrage, obwohl wir keineswegs alle homogen sind. Aber der jüngste Fuchs hat schon vierzehn Tage nach seinem Eintritt das brennende Bedürfnis, etwas Besonderes für den Verein zu tun, er fühlt sich beschämt durch die Arbeit der Aelteren und ist eben ein opferfreudiger und starker K.J. V.-er. Aber trotz unseres reibungslosen Zusammenarbeitens ist es sehr schwer, uns irgendwo einzuordnen. Sind wir korporativ? Ja,' denn unsere Füxe und Burschen müssen pünktlich zu denf Kursen da sein und werden poeniert, wenn sie zuspät kommen. Sind wir unkorporativ? Ja, denn wir haben seit dem Kavrtelltag keine Kneipe gemacht und denken garnicht daran, eine zu veranstalten. Sind wir intensiv? Ja, denn die meisten unserer Burschen und Füxe haben fünf Stunden in der Woche Hebräisch, und es wird nicht mehr allzulange dauern, bis wir ein kleines hebräisches Zentrum im Ruder-V. J. St. werden bilden können. Sind wir extensiv? Ja, denn gerade unsere jüngeren Bündesbrüder sind in der Turnerschaft und der A. K. B. leitend tätig. Diese Gegensatzpaare ließen sich noch lange fortsetzen, aber wir wollen lieber die Schlußfolgerung aus solchen Erscheinungen ziehen: Die aktive und die passive Komponente der K. J. V.- Geschichte sind bei uns vereint. Und wie der Zionismus der Sinn der jüdischen Geschichte ist, so ist der Ruderverein der Sinn des Kartells. Liebe Bundesbrüder, das ist nicht