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Der jüdische Student · 1919-06-01 · Heft 4 (Juni 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 4 (Juni 1919)
Date
1919-06-01
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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132 Simon, Die innere Krisis Aktivität, die ihre Mittel naturgemäß! denjenigen Methoden entlehnt, die auf sie selbst am stärksten gewirkt: hatten und noph wirkten und die an ihrer Stirn — den Jungen nur {allzu deutlich sichtbar — das Gepräge der passiven, fremden, ja, wie man nun sagte, „unjüdischen",; assimilierten Komponente trug: man klammerte sich an Kneipen, Satisfaktion, Korporationsform und all die arideren hinlänglich bekannten Dinge. Die zweite Gruppe verfiel in einen kaum minder verhängnisvollen Fehler. Je tiefer und inniger man in sich selbst das Glück des Judewerdens erlebte — und um so lebendiger war dies Gefühl, je weniger seine Träger vorher vom Judentum gekannt hatten, so daß. die Assimiliertesten1 von gestern die Radikalsten von heute wurden — je stärker 'also die „Intensivierung" vorschritt, umso mehr verbreitete sich auch die unheilvolle Theorie, - daß man zum Zionisten geboren sein müsse. Es käme darauf an, ob in den betreffenden Menschen noch genug nationale Substanz vorhanden: sei, sonst sei alle Mühe umsonst. Der nicht einmal ganz konsequente Aus- und Weiterbau dieses Gedankens wirkte noch folgenschwerer als er selbst: man schloß, daß also eine gewisse Auslese, eine gewisse Eugenetik selbstständig am Werke sei, d aß unser Kartell durch einen halb Unterirdischen Prozeß die brauchbaren Elemente erhalten würde, während sich im K. C. nur die an und für sich ungeeigneten ansammelten. Diese aus einer falschen Voraussetzung noch dazu falsch gefolgerte Konsequenz ist meines Erachtens die psychologische, heute wohl oft schon unbewußt wirksame Ursache für die Kjeilunlust in weiten Kreisen der Bundesbrüder. Ein kurzer Verkehr mit K. G. - ern würde jeden, der sehen kann, von seinem furchtbaren Irrtum überzeugen und es klarstellen, daß der K. C. an sich genau dasselbe gute Material bekommt wie wir und daß es ein Unglück für das Judentum ist, welche prächtigen Menschen ihm auf diese Weise mehr oder weniger verloren gehen. Denn daß die Entwicklung im K. J. V. menschlich und jüdisch eine bessere für den Einzelnen ist, das steht natürlich außerhalb jeder Diskussion. Diese ziemlich tiefgreifenden und prinzipiellen Gegensätze zwischen den Bundesbrüdern kristallisierten sich nun um das „Formproblem" herum. Auch diese zunächst durchaus nicht selbstverständliche — (Tatsache bedarf wohl einiger erklärender Worte. Es ist eine schon von Plato erkannte Eigenschaft der Ideen, daß sie sich immer nur in Worten und Taten manifestieren können und es ist die Tragik alles schöpferischen Lebens, daß diese zur Irdischmachung irgend eines Geistigen notwendige Materialisierung, seine Bindung in Konturen oder wenigstens an Assoziationen fast immer verkannt und zum Selbstzweck erhoben, d. h. also erniedrigt wird. So ging es auch urs: wir stritten uns mit heißen Köpfen über die Zweckmäßigkeit der einzelnen Formen, meist, ohne uns darüber klar

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