Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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126 Zlocisti, Vorbereitung auf Palästina nissen nach Palästina kommen, sondern auch mit ganz speziellen. Das können nur Andeutungen sein. Und ich bin überzeugt, daß alle Berufe, in denen wir wirtschaftlich standen, eine Sprengung ihrer Enge vertragen. Ich glaube, daß auch für den Juristen Möglichkeiten bestehen. Zeigt doch ein Blick in unsere eigene Organisation, wie wenig wirklich vorgebildete höhere Verwaltungsbeamte wir besitzen. Durch Examen und kleine Zivilpraxis werden dabei Kenntnisse eben nicht garantiert. Wie wenige unserer Juristen haben eirt Wissen von internationalem Recht, vom internationalen Warenverkehr, von Wohnungspolitik; haben wir Nationalökonomen, die Einsichten in die englische Kolonialmethode, in die Gewerkschaftsbewegung, in die Kolonisationsmethoden besitzen (ich denke da an Neuseeland, das ideale Versuchsland solcher Experimente). Und auf anderen Gebieten: auf die Aufforderung, daß sich für die Palästinaarbeit Geometer, Geodäten, Geologen usw. melden sollten, sind einige naive Meldungen erfolgt. Das sind hastige Beispiele. Wir haben in Deutschland gelebt; aber unsere Berufsenge hat zugleich unsern Blick eingeengt für die tausendfältigen Gliederungen, durch die ein Volk als ein hochkomplizierter Organismus wird, lebt und sich erhält. Die Aengstlichkeit und Hilflosigkeit, mit der die meisten jetzt vor ihrer Berufswahl stehen, mit der die meisten händeringend vor ihrer Palästinasehnsucht bleiben, zeigen, daß wir bei aller „Vertiefung" und der Behorchung unserer seelischen Urkräfte nichts begriffen haben vom Inhaltlichen eines Volkstums und von seinen Auswirkungen. Wir alle haben nach äußerlichen Zweckmäßigkeiten studiert und darum bleibt ein Fleckchen des Vorwurfs, daß in den unreinlichen Winkeln der Berufe ein peinlicher Prozentsatz Juden hockt. Es ist mein Glaube, daß jeder, der jetzt einmal nach seinen wirklichen Neigungen, nach seinen Begabungen zunächst ohne alle Rücksichten die Wahl trifft, ohne Ekel seinen Beruf und sich in ihm erfüllt, in Palästina notwendig sein wird und dadurch einen Wirkungskreis finden muß. Durch diese neue Berufsausweitung — auch innerhalb de riBe ruf e, diewir schon ergriffen haben—, glaube ich, führen wir Werte in das Land ein, die es jetzt noch nicht hat, helfen wir, daß Palästina nicht das teure Lehrgeld be-