Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537737-3537741--4550-3542304- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Simon, Die innere Krisls 127 zahlt. Es soll nicht, wie in der Vergangenheit und wie wahrscheinlich bei den größeren Ausmaßen unserer zukünftigen Arbeit — ein Tummelplatz nationalökonomischer, technischer und wirtschaftlicher Experimente werden. Wirkliche umfassende Fachkenntnisse schützen davor, Versuche zu wiederholen, die sich auch sonstwie schon als aussichtslos erwiesen haben. Bei uns Juden avanciert man (besonders bei rhetorischer Begabung!) sehr schnell zum Fachmann. Wir dürfen gewiß nicht vergessen, daß unser Volk sich auch durch diese Fähigkeiten schneller und keck-entschlossener Anpassung an ungewohnte Aufgaben und neue Verhältnisse erhalten, durchgesetzt hat. Denn da schließlich jedes Wissensgebiet eine komplexe Erscheinung ist, so enthalten sie alle bestimmte allgemeine - Inhalte, die sich Logik und Energie Untertan machen kann. Aber wir müssen darin nur den Reflex unserer unnatürlichen Bedingtheiten und der Anomalie unserer Existenz sehen. Da wir jetzt auf einem natürlichen Grunde ein natürliches Volk werden wollen, brauchen wir wie den ganzen Menschen so den ganzen Fachmann. Die alte Geschichte der jüdischen Siedelungsarbeit in Palästina sei eine Warnung vor dem Fachmann, der keiner ist. Damit man aber erkennt, in welchen Richtungen sich der Einzelne zu spezialisieren habe, scheint es mir wichtig, daß das Palästinaamt, das das Kartell schon einmal begründete, „wesenhafter" werde in dem Sinne, daß dort Leute, die das Land, seine Möglichkeiten und Notwendigkeiten kennen, wirklich zu Beratern ihrer Freunde werden, auch derer, die einen Beruf haben, der die Uebersiedlung scheinbar verhindert. Die innere Krisis 1 Nachdem nun der Kartelltag längen als ein Vierteljahr vorüber ist, muß man leider feststellen, daß er keineswegs die erhoffte Klärung und Sicherung unserer zukünftigen Arbeit gebracht hat. Immer häufiger hört man wieder von unliebsamen Vorfällen, von Spaltungen, Fusionen und Wieder-Spaltungen, von „Kartellpolitik" und von Parteistandpunkten, so daß der Gesamteindruck manchmal nicht viel anders ist als vor der großen Aussprache. Wir müssen uns in aller Ehrlichkeit über diese Erscheinung klar werden, wir müssen ihre Ursachen