Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Moses, Vorbereitung auf Palästina 123 ienskraft eingewirkt. Jakob Wassermann und nach ihm Buber haben geglaubt, daß mit dem Wiederbewußtwerden der Zugehörigkeit zum jüdischen Volke und zum orientalischen Menschen der Jude wahrhaft produktiv werden müßte, und daß seine Wurzellosigkeit durch die neue geistige Verknüpfung mit seinem Volke aufhören würde, Wassermann hat uns in seinem Buche „Der Literat" gesagt, daß der wirklich schaffende Künstler den Mythos seines Volkes nicht entbehren kann und daß dieser wiederbelebte Mythos auch für den Juden Voraussetzung seines Künstlerwerdens sein muß. Mythos ist, wenn ich diese Definition geben darf, das Fluidum zwischen Mensch und Welt; durch ihn erlebt der Mensch in heiligsten Symbolen das Geschehen der Welt. Wenn z. B. Homer uns in der Ilias zeigt, wie aus der Umarmung von Zeus und Hera — Zeus als Himmel und Hera als Erde gedacht — der Regen auf die Erde fällt, die Erde befruchtet und Blumen sprießen läßt, so empfinden wir hier ein solches wirkliches Erleben der Naturereignisse, wie sie jedem deutschen Menschen auch durch seine Märchen, in denen alles Tote lebendig wird, in denen die Tiere und Pflanzen sprechen und fühlende Seelen erhalten, von frühester Jugend an bewußt werden und seine Phantasie immer wieder zur neuen Gestaltung der Wirklichkeit anregen. Was dem jüdischen Menschen fehlt, ist dies erlebende Verhältnis zur Welt Es ist ein tiefes SymboJ, wenn bei primitiyen Völkern die Götter immer als Götter der Fruchtbarkeit vorgestellt werden und wenn die Bebauung der Erde stets als organischer Akt, als ein wahrhaftes Befruchten der Erde empfunden wird. Die Bebauung der Erde ist die engste körperliche Verschmelzung von Mensch und Welt, und nur durch sie gewinnt der Mensch jene nahe Fühlung, die ein wahrhaftes Gestalten der Welt ermöglicht. Auf diese Entwicklung . können wir in Palästina nicht vernichten. Von ihr ist die Kultur des jüdischen Volkes' abhängig. Und so hat die Begründung der landwirtschaftlichen Entwicklung auch eine tiefere geistige Bedeutung. Wenn wir das Gefühl haben, daß zu dieser Entwicklung alle Leute und alle Kräfte gebraucht werden, dann glaube ich, werden wir hier auch die Notwendigkeit eines durch Einheitlichkeit gefestigten großen Kartells am stärksten empfinden-