Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Moses, Vorbereitung auf Palästina lästina besteht also keine Notwendigkeit, jungen Zionisten zum ärztlichen Beruf zu raten. Bei den anderen akademischen Berufen ist es schwer, irgendwelche bindende Auskunft zu geben. Aber man kann sagen: Auch für den Ingenieur sind die Aussichten wenig günstig. Die ausländischen Gesellschaften, die die großen Aufträge erhalten werden, pflegen ihre eigenen Ingenieure mitzubringen, und sollte selbst der eine oder andere als Hilfsarbeiter Verwendung finden, so steht der Bedarf zu dem jetzt schon bestehenden Angebot in gar keinem Verhältnis. Auf das Ausschreiben eines Privatmannes in der Wiener Jüdischen Zeitung hin haben sich 56 Ingenieure gemeldet, die bereit waren, nach Palästina zu gehen. Auch die anderen freien akademischen Berufe werden nur ganz wenigen vom Glück Begünstigsten eine Existenzmöglichkeit gewähren, einer ausgenommen, und das" ist der »pädagogische Beruf. Es wird notwendig sein, die Universität und eine Menge von Schulen weit schneller auszubauen, als man jetzt annimmt. Gerade weil die Existenzaussichten für alle Nichtlandwirte gering sind, so werden viele gezwungen sein, nach wie vor im Golus ihr Geld zu verdienen, um dann später sich in JErez Israel zur Ruhe zu setzen; und weil sie selbst noch nicht drüben leben können, so werden sie wenigstens ihre Kinder in unserem Lande erziehen lassen wollen. Es herrscht ein großer Mangel an Lehrern in Palästina. Wir brauchen sie, nicht nur deshalb, weil die Ostjuden sie nicht in genügender Zahl stellen können, sondern auch deshalb, weil die westliche und ganz besonders die deutsche Vorbildung für sie ausgezeichnet ist. Es ist kein Zufall, wenn gerade die Abiturienten vom hebräischen Gymnasium fast ausschließlich nach Deutschland kamen, um sich hier auf ihre palästinischen Lehrberufe vorzubereiten. Lehrer werden wir in jeder Form brauchen: Volksschullehrer, Gymnasiallehrer und Hochschullehrer. Ich glaube also, daß unsere Leute, wenn sie Hebräisch vollkommen beherrschen, und die Spräche kann man ja auch hier lernen, als Lehrer gute Existenzaussichten haben werden. Die soziale Frage besteht im wesentlichen nicht in einer gerechten Verteilungdes Einkommens, sondern der Arbeit.. Durch eine Nivellierung sämtlicher Einkommen würde man sie also nicht lösen, in Deutsehland und anderen Ländern ist