Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Moses, Vorbereitung auf Palästina 117 immer zu Katastrophen, derin die Mechanisierung einer Volkswirtschaft ist nur bis zu einem gewissen Grade möglich. Diese Entwicklung, die eine große Gefahr für ganz Europa ist, wäre für Palästina ein ebenso großes, vielleicht noch ein größeres Unglück. Man hat immer damit gerechnet, daß die Absatzgebiete der Industrieländer für Hunderte von Jahren gesichert seien. Darin hat man sich getäuscht, denn nur die Länder vertragen einen Import, die exportieren können. Der Weltmarkt aber ist seit einer Reihe von Jahren bedenklich verkleinert Eine der Hauptursachen des Weltkrieges war die, daß die Absatzmöglichkeiten der großen Industrieländer immer geringer wurden, weil auch die Agrarländer viele Industrien einführten. Heute sind die Hauptindustrieländer gezwungen, die Ausfuhr anderer Länden zu unterbinden, wenn sie selbst existieren wollen. Es ist daher das größte Problem Deutschlands, einen Teil seiner Bevölkerung wieder zur Landwirtschaft zurückzuführen. - Wenn wir uns Klarheit über die Einwanderungs-Möglichkeiten verschafft haben, wenn wir uns sagen müssen, daß die Einwanderung in Palästina nicht in ganz großen Massen erfolgen kann und die Ziffern Ruppins im wesentlichen Maximalziffern darstellen, dann können wir uns auch Klarheit darüber verschaffen, welche Berufe gebraucht werden. Akademiker werden fast nur aus Deutschland und Oesterreich in Frage kommen. Rußland und andere Länder haben wenig, und die Wenigen werden dort nötig gebraucht; auch aus jüdisch-zionistischen Gesichtspunkten ist ihre Anwesenheit dort zu wünschen. Aus England und Amerika werden Akademiker wesentlich nur als Verwaltungsbeamte in Frage kommen. Mit welcher Zahl von Akademikern, die dort Verwendung finden, können wir also wohl rechnen? Zunächst an Aerzten? In Deutschland kommen etwa auf zwei Millionen Menschen 500 Aerzte. Bei einer Einwanderung von 30 000 Menschen im Jahre würden also jährlich! 7 bisl 8 gebraucht werden. Im Höchstfalle könnte sich ein jährliches Bedürfnis von 20 bis 30 herausstellen. Wenn wir also auf die Berufswahl Einfluß nehmen, so müssen wir sagen, daß in den nächsten dreißig Jahren mit einer Aerztezahl von 4—5000 zu rechnen ist. Das ist schon eine sehr hohe Zahl, und ich glaube, daß die bisherige ZahP der zionistischen Aerzte ausreicht, um diesen Bedarf zu decken. Für Pa-