Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3537599-3537737-3537741--4536-3542290- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Moses, Vorbereitung auf Palästina 113 Die Produktion des Landes ist also fast ausschließlich auf die Landwirtschaft angewiesen. Die Möglichkeiten sind hier vorläufig fast unbeschränkt. Palästina ist für eine dichte landwirtschaftliche Besiedlung ausgezeichnet geeignet, da der Pflanzungsbau eine sehr intensive Bearbeitung des Bodens erfordert und auch schon vor dem Kriege durchaus rentabel war. Man darf jedoch nicht vergessen, datß der Boden Palästinas erst jahrelanger Meliorationen bedarf, um wieder fruchtbar zu werden. Auch die Fruchtbäume, das Hauptprodukt Palästinas> werden bis zur vollen Ertragfähigkeit mindestens ein Jahrzehnt gebrauchen, und selbst wenn gleich nach dem Kriege mit einer Großkolonisation begonnen werden sollte, so müßten doch alle nichtlandwirtschaftlichen Berufe noch lange Jahre mit den jetzt bestehenden Produktionsverhältnissen rechnen. Diese waren nun vor dem Kriege ungefähr folgende: Der Export Palästinas betrug etwa 20 Millionen Francs. Die Bedeutung dieser Zahl kann man sich; etrst vorstellen, wenn man bedenkt, daß im Herzogtum Meiningen allein die Spielwarenindustrie (jährlich für etwa 40 Millionen Mark exportiert hat. Berücksichtigt man noch, daß fast der ganze Export in wenigen Genossenschaften organisiert war und daß jeder weitere Zwischenhändler für die Kolonisten nur vom Uebel sein kann, dann begreift man nicht, wie hier Herr Dr. Sternberg in den Herzlbundblättern schreiben konnte, daßs ein junger zionistischer Kaufmann, der in der Apfelsinen- oder Olivenbranche sich einige Kenntnisse erworben hat, in Palästina sicher Existenz finden wird. Das wirtschaftliche lElend der Ostjuden, das fast ausschließlich dieser Unzahl von nicht existenzfähigen kleinen Handelsleuten zuzuschreiben ist, sollte einem doch zu denken geben. Und es wird eine besondere Aufgabe unserer zukünftigen Wirtschaftspolitik sein, Im Handel das Aufkommen von parasitärischen Zwischengliedern, die an sich unnötig sind, zu verhindern. Der dritte Faktor der Entwicklung sind!die Bewohner. Es leben in Palästina etwa 75000 Juden und ca. 700000 Araber. Von den 75000 Juden gehören 45000 der Chalukkah an. Die neue jüdische Kolonisation hat dtwa 40 kleine Kolonien geschaffen, die in ihrer Gesamtgröße ungefähr fünf mittleren deutschen Dörfern entsprechen. Es müssen also jährlich mindes-