Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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LACHMANN, Das Resultat m Gesamtheit unerläßlichen Organisation durch (Nietzsche war Einjähriger bei der Feldartillerie und wurde doch Nietzsche). Die neue Richtung erklärt den bisherigen Standpunkt für überholt. Sie verlangt zu ihrer persönlichen seelischen Befriedigung ein intensiveres jüdisches, durch Beispiele übrigens nirgends verdeutlichtes Leben entsprechend der Lebensgemeinschaft im Blau-Weiß. In nationaler Hinsicht verlangt sie ein Gemeinschaftsleben mit den Ostjüden, in sozialer Hinsicht Einstellung der Lebensführung auf Palästina. Diese Ziele nötigen Achtung ab. Sie sind aus wertvollen Stimmungselementen hervorgegangen, haben aber für uns den Nachteil, daß sie eine solche Abkehr von der Wirklichkeit verlangen, daß sie über kurz oder lang an der Unzulänglichkeit der Bekenner scheitern. Ueberdies kranken sie an einer Ueberschätzung der Ost- und an einer Unterschätzung der Westjuden, aus denen wir alle ja hervorgegangen sind, für den nationalen Aufbau. Für uns gibt es nur zwei Einstellungen auf Palästina. Erstens: hinübergehen, zweitens: sich dahin vorbereiten, daß man Gemeinsinn, Ausdauer und Verträglichkeit in sich ausbildet Im Uebrigen kann man palästinensische Vorbildung nicht in Deutschland erwerben. Peinlich war nur die Unbekümmertheit, mit der der geg* nerische Standpunkt ohne Rücksicht auf die Konsequenzen vorgetragen wurde. Für die Psychologen am interessantesten ist immer die Gleichgültigkeit, gegenüber der Gesamtlage, mit der Juden ihren Standpunkt vertreten. Die persönliche Behaglichkeit des Assimilanten macht ihn blind gegen die Lage des Volkes, die geruhige Frömmigkeit des Orthodoxen nimmt ihm das Verständnis für die nicht orthodoxen Teile. Der K. G-er kämpft mannhaft gegen den Antisemitismus und sieht demgemäß in dem Nationaljuden, der etwas schaffen will, für das es sich zu kämpfen lohnt, seinen Todfeind. Und der Zionist mit dem intensiven jüdischen Innnenleben sieht wie wir uns abrackern,, um im Judentum die zur Durchführung aller Arbeit nötigen 50% auf unsere Seite zu bekommen, und trägt gelassen die Streitaxt in das Zentrum unserer Arbeit. Hier also müssen sich die Wege scheiden. Nicht etwa wegen einer Abneigung gegen die Ziele der anderen Richtung* sondern lediglich, weil diese beiden Ziele in einer Organisation garnicht gemeinsam verfolgt werden können. Wie will man Achtung vor dem Begriff der freiwilligen Unterordnung mit Mißbilligung dieses Begriffs als etwas Ueberlebtem, äußerste Pflege jeder Stimmung und Mißtrauen gegen die Intensität von Stimmungen, extensive Arbeit in den Akademikerkreisen und intensive Arbeit außerhalb dieser Kreise unter einen Hut bringen? Ich kann mir wohl denken, daß zwei Anhänger dieser beiden Richtungen in Mußestunden sich mit