Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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92 LACHMANN, Das Resultat weder in der Sache noch in der Form eine Differenz obwalten konnte. Es ist einleuchtend, daß mit dem Aelterwerden der Alten Herren und der Vermehrung ihrer Zahl die intensive Gemeindearbeit mit all ihren Nebenerscheinungen sie alle in ihren Bann schlägt. Die Voraussetzung dafür ist, daß jeder einzelne wieder für die Grundidee gewonnen wird, sofern er durch den Kampf ums Dasein ihr entfremdet ist. Daß dies nur durch eine gefestigte Organisation geschehen kann, ist für einen K. J. V.-er selbstverständlich. Die Streitfrage, ob die zu bildende Organisation selbständig sein oder in das Präsidium des K. J.V. „hineingearbeitet" werden sollte, kam mir grotesk vor. Die Besorgnis, daß eine selbständige Altherren-Organisation den Zerfall des K. J. V. begründen müsse, wurde im wesentlichen mit dem Brustton der Ueberzeugung, in dem sie vorgebracht wurde, begründet. Man müßte sonst glauben, daß die Alten Herren K. C-er seien und die Aktivitas die Gralshüter, so eifrig zeigte man sich bemüht, die jene in ihren Angelegenheiten nicht unter sich zu lassen. Daß eine Organisation von immer älter werdenden Akademikern, zumal wenn sie selbständig neue politische Aufgaben lösen sollen, nur sich selbst verantwortlich sein kann, sollte doch eigentlich keiner Klarlegung bedürfen. Der Zusammenhang mit der Aktivitas wird doch eigentlich dadurch gewahrt, daß jeder Aktive einmal in sie hineinkommt. Der Gesichtskreis eines nur auf Jugendarbeit mit stark wechselnden Tendenzen eingestellten Kartells deckt sich keineswegs mit der immer im öffentlichen Leben und in harten Kämpfen stehenden Altherren- Gemeinschaft. Diese Kämpfe endeten zunächst mit der Begründung der selbständigen Altherren-Organisation. Der Kartell tag beschäftigte sich vom nächsten Morgen an fast ausschließlich mit den neueren Tendenzen. Es handelte sich darum: Bleibt die alte Tendenz oder wird sie geändert oder .sollen beide mit einander verschmolzen werden? Die Gedankengänge der bisherigen Richtung waren: Die Lage des jüdischen Volkes, seine Indolenz und mangelnde Einsicht auf nationalem Gebiet machen eine großzügige nationale und politische Erziehung weitester Kreise zur Einsicht, Verträglichkeit, Opferwilligkeit und Selbstlosigkeit notwendig. Eine unendliche Förderung der Arbeit wird gewährleistet, wenn man sich auf akademische Kreise beschränkt, die in der denkbar kürzesten Zeit einen Einfluß auf die weitesten Massen haben können. Diese anscheinende Exklusivität ist umfassendste Volksarbeit. Die Organisation darf auf Stimmungen und Individualitäten nicht eine entscheidende Rücksicht nehmen. Die Judenheit ist ein bischen hysterisch — Mangel an Luft und Licht — und nimmt ihre kleinen Angelegenheiten zu ernst. Wahre Individualitäten setzen sich trotz der für die