Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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84 FREUNDLICH, Kartelltags-Gedauken Bundesbrüder werden dann bald m i t S t o 1 z fühlen, daß sie, wie in vielen anderen Dingen auch hier Außenseiten, Träger des Neuen und Besseren sind. Sie müssen daran gewöhnt werden, unseren Standpunkt als Vorzug zu empfinden, den sie auch in der Keilarbeit voll und ganz verwerten, nicht aber als unangenehme Konzession an einen radikalen Zionismus, des man sich wohl oder übel fügen muß. lieber das Verhalten bei Ehrenangelegenheiten ein genaues Schema aufzustellen, ist unmöglich. Im allgemeinen wird es sich empfehlen, den Beleidiger vom akademischen Boden oder aus dem Lokal fortzubitten, sich ihm dann vorzustellen und unter Hinweis darauf, daß wir auf Kartellbeschluß keine Satisfaktion geben, Rücknahme und Entschuldigung energisch zu verlangen. Wird dies verweigert oder gar erneut beleidigt, so wird es meist das Gegebene sein, „handgreiflich" zu werden. Ob und wann geschlagen werden muß, hängt vom Temperament des Einzelnen ab, in vielen Fällen wird es genügen, dem Beleidiger seine Verachtung zu bezeugen. Ruhiges, bescheidenes, nicht pro vozierendes Auf treten muß unseren Bundesbrüdern zur Gewohnheit werden, nach einer Beleidigung aber muß ein jeder fest, männlich und bestimmt einzuschreiten im Stande sein. Dies Ziel können wir nur erreichen, wenn es uns gelingt, mehr als bisher unsere Bundesbrüder zu Mut und Entschlossenheit zu erziehen. Das einzige Mittel hierfür ist Sport und' Turnen, planmäßige körperliche Ertüchtigung und Durchbildung des Einzelnen. Ein geregelter Sportbetrieb unter fachmännischer Leitung muß in das Arbeitsprogramm jeder Korporation aufgenommen werden. Es ist kein Zufall, daß sich ein Fux des Ruder - V. J. St. vor einigen Wochen als Beleidigter seinem Gegner so „deutlich" zu erklären verstand, daß dieser ihn wohl nicht mehr so ohne weiteres „Kneifer" nennen wird. Körperliche Durchbildung hat Selbstvertrauen und männliche Festigkeit zur selbstverständlichen Folge. Und diese allein können das Ziel unserer Erziehungsarbeit bitten. Berlin Berthold Cohn Kartellfags-Gedanken Vier Jahre lang, in,einer Zeit, die für den Zionismus die schlechthin entscheidende war, hat es ein einheitliches Kartellleben nicht gegeben. Neu hinzukommende Bundesbrüder konnten keiner nach gleichen Zielen strebenden Erziehung unterworfen werden. Viele bereits früher zu uns Gehörige standen lange Jahre nicht mehr unter dem Einfluß einer stetigen, sicli