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Der jüdische Student · 1919-05-01 · Heft 3 (Mai 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 3 (Mai 1919)
Date
1919-05-01
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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COHN, Zur Satisfajrtionsfrage 81 Zui* Safisfaktionsfrage Die radikale Entscheidung, die der Kartelltag in der Satisfaktionsfrage gefällt hat, war selbst für die Bundesbrüder eine Ueberraschung, die das völlige Satisfaktionsverbot als einzig mögliche Lösung propagierten. So klar man sich auch darüber war, daß die unbedingte Satisfaktion im erneuerten Kartell eine Unmöglichkeit sei, man hielt es doch nicht für möglich, daß der kartelltag diesen uns zur Gewohnheit gewordenen Formenkomplex sofort völlig austilgen würde. Daß dies dennoch geschah, ist vor allem darauf zurückzuführen, daß die Freistellung der Satisfaktion nach den eindringlichen Worten von Siegfried Rosenbaum der überwiegenden Mehrheit der Delegierten unmöglich schien. So durchhieb man den Knoten und schaffte die Satisfaktion völlig ab. So sehr dieser Beschluß zu begrüßen ist, so zeigte es sich dennoch bald, daß wir innerlich noch nicht auf ihn vorbereitet waren. Während die Veränderung unserer Gemeinschaf tsformen im allgemeinen erst zu erfolgen pflegt, wenn ein jeder sich innerlich vom bisherigen Zustand freigemacht hat und der neue uns bereits festumrissen vor Augen steht, empfanden viele hier ein Vakuum: sie sahen sich des praktischen Systems, das ihnen Festigkeit und Sicherheit vermittelte, beraubt und hatten nichts, um es an seine Stelle zu setzen. So kam es, daß der Kartelltagsbeschluß an einzelnen Stellen Mißstimmung hervorrief, die sich zuerst in Anfragen und in der Forderung nach Richtlinien für das Verhalten bei Kontrahagen äußerte und sich zuletzt zu einer Forderurig der V. J. St. Barkochba Göttingen und der Bundesbrüder Berndt und Abelsohn nach einer Wiederholung der Abstimmung durch ein Plebiszit vernichtete. Der V. J. St. Barkochba O ö 11 i n g e n schreibt dem Präsidium in einem Brief vom 17. HL: „Für eine Reihe älterer Buridesbrüder ist das prompte Reagieren auf die geringste auch nur antisemitisch sich anhörende Aeußerung, sowie das selbstverständliche Bewußtsein des Antretenmüssens ein wesentlicher Faktor ihrer Erziehungsart gewesen. Für diese Bundesbrüder ist es bei ehrlicher Selbstprüfung unmöglich, ein Verhalten an den Tag zu legen und zu vertreten, daß sie ihrer inneren Konstitution nach ablehnen müssen. Diese Bundesbrüder erklären, das im Ernstfalle ihre Disziplin dem Kartell gegenüber ihrer inneren Wahrhaftigkeit nicht Stand halten würde... Wir sehen ein, daß von Seiten des Präsidiums ein gültiger Kartelltagsbeschluß nicht umgestoßen werden kann und daß ihr den Standpunkt des Kartelltags uns gegenüber vertreten mußtet, Wir haben daher beschlossen, offiziell den Kartelltagsbeschluß hinsichtlich des Mensurverbotes anzufechten. Da die Möglichkeit, einen außerordentlichen Kartelltag einzuberufen, unserer Ansicht nach nicht besteht, so glauben wir, anstatt dessen 'durch.'ein Plebiszit innerhalb des ganzen Kartells eine Entscheidung erreichen zu können. Wir werden sämtlichen Kartellverbinduhgen und

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