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Der jüdische Student · 1919-05-01 · Heft 3 (Mai 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 3 (Mai 1919)
Date
1919-05-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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LEHMANN, Erziehung zur sozialen Arbeit 71 könne. Was heißt denn für den Studenten jüdische Erziehung? Kenntnis der Kulturwerte seines Volkes. Ausbildung des Verantwortlichkeitsgefühls für sein Volk. Für diese Erziehung scheint uns die Arbeit in den Teilen des jüdischen Volkes, die ihre national-religiöse Kultur noch nicht abgestreift haben, die beste Möglichkeit zu geben. Keine Bücher, keine Kurse können uns einen so tiefen Einblick in die Seele unseres Volkes verschaffen wie das Leben mit ihm. Niemals werden wir, um ein Beispiel zu nennen, die heilige Bedeutung des jüdischen Sabbaths aus den Büchern allein erkennen, sondern nur, wenn wir auch einen Sabbath in einer frommen jüdischen Familie miterleben. Und Verantwortlichkeitsgefühl, wie wollt Ihr es anders im jungen Menschen entwickeln als dadurch, daß Ihr dem Studenten eine Verantwortung übergebt? Mit Worten werdet Ihr niemals zur Verantwortung erziehen, sondern nur dadurch, daßr Ihr von früh an Aufgaben stellt, die es zu erfüllen gilt. Hiermit soll etwa nicht gesagt sein, daß jede theoretische Ausbildung des Studenten überflüssig ist, sondern nur, daß die alleinige theoretische Aussildung zwecklos und unfruchtbar ist. Volkskultur ist etwas Lebendiges und läßt sich durch Bücher allein nicht erlernen. 3. Der dritte Einwand und der am häufigsten gehörte ist der: bei einer intensiven Arbeit außerhalb der Studentenverbindung könne es zu keinem Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Verbindung kommen und der Korporationsbetrieb werde unter einer intensiven sozialen Arbeit leiden. Dieser letzte Einwand kann bei der unsagbar fürchterlichen Lage unseres Volkes für jüdische Studenten, denen die Sache des Volkes mehr am Herzen liegt als die Sache der zionistischen Studentenschaft, nicht diskutabel sein. Sollte aus diesem Grunde die soziale Arbeit aber wirklich unvereinbar sein mit den Prinzipien der Verbindung, dann sollten wir heute noch einmal die alten Grundlagen des Kartells auf ihren Wert* für unser Volk prüfen, sollten erkennen, daß es für eine Studentengemeinschaft, die sich sogar anmaßt, die Führerschaft des jüdischen Volkes zu sein, keine größere Schmach gibt, als zu erklären: die hingebende, Aufopferung und . Ganzheit fordernde Tat für die Erneuerung des Volkes sei nicht vereinbar mit den Grundsätzen der eigenen Gemeinschaft, weil die Gemeinschaft selbst unter diesen Grundsätzen leiden würde. Solange wir nicht im Kartell diese Gesinnung bis zum letzten

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