Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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70 LEHMANN, Erziehung zur sozialen Arbeit Nach diesem Erziejiungsprogramm für die sozialen Aufgaben der Studenten ist eine Vereinheitlichung der Erziehung im Kartell, wie sie hier vorgeschlagen wurde, kaum durchführbar. Eine K. J. V.-Verbindung, die sich als wesentliches Arbeitsgebiet die soziale Arbeit gewählt hat, wird sich in der Erziehung ihrer Bundesbrüder wesentlich von den Verbindungen unterscheiden müssen, die die zionistisch-politische oder die allein auf Palästina gerichtete .Arbeit des Studenten in den Vordergrund stellen. In dieser Differenzierung der einzelnen Verbindungen sehen wir nicht die Zeichen des Untergangs und des Zusammenbruchs des K.J.V., sondern im Gegenteil Zeichen eines Aufstieges. Sprechen wir kurz über die Einwände, die man der Erziehung zur sozialen Arbeit im K. J. V. entgegensetzt! 1. Man sagt, es müsse Hauptaufgabe der Studentenschaft bleiben, für die zionistische Idee innerhalb der deutsch-jüdischen Studentenschaft zu werben. Wir verkennen den Wert der Ausbreitung des Zionismus unter der jüdischen Studentenschaft Deutschlands nicht und erkennen auch den Wert der Verbindungen, die sich diese Werbearbeit zur besonderen Aufgabe gemacht haben, durchaus an. Aber wir sind überzeugt, daß andere Verbindungen durch die Tat, durch das Einsetzen der eigenen Persönlichkeit für die Verwirklichung der Idee, mehr und stärker von der Wahrheit unserer Idee überzeugen werden als jene Verbindungen durch Worte und Agitation. Sowohl das Zusammentreffen mit idealistisch entschlossenen Menschen, die nicht von Idealen reden sondern nach ihnen handeln, als auch die Not unseres Volkes, welcher der Student in der sozialen Arbeit gegenübersteht, wird jüdische Studenten und nicht die wertlosesten in die Reihen der Zionisten führen, die durch Keilen und Werben nach dem alten System des Kartells niemals Zionisten geworden wären. Unsere persönlichen Erfahrungen bestärken uns in dieser Ueberzeugung. Wir sehen also in der studentisch-sozialen Arbeit kein Hindernis für die Ausbreitung des Zionismus, sondern im Gegenteil neue Möglichkeiten, andere studentische Kreise, die der Beeinflussung durch das Kartell bisher verschlossen waren, in unsere Bewewegung zu ziehen. 2. Man wendet ein, daß der Student erst in der Verbindung jüdisch erzogen werden müsse, bevor er eine Außenarbeit leisten