Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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LEHMANN, Erziehung zur sozialen Arbeit 69 macht, die sich wesentlich von der bisherigen K. J. V.-Erziehuhg unterscheidet. Die Einstellung, daß in Palästina erst die eigentliche Arbeit beginne, muß der Erkenntnis weichen, daß di^ erzieherische und soziale Vorbereitungsarbeit im Oolus die Voraussetzung jeder palästinensischen Besiedelung sein muß. Wir halten daher die Kenntnis der sozialen und kulturellen Struktur des ostjüdischen Volkes für ebenso wichtig als Palästinakunde. Die Ausbildung des jungen Studenten für die soziale Arbeit erfolgt .am besten im Helfer seminär für jüdischsoziale Arbeit. Ein solches Seminar wird voraussichtlich demnächst in Berlin eröffnet werden, und folgende Lehrgegenstände umfassen: 1. Die sozialen und kulturellen Fragen im Ostjudentum", 2. Einführung in die soziale Arbeit (Settlementwesen, Jugend-Fürsorge usw.), 3. Pädagogik und Beschäftigungslehre für die ältere Jugend, 4. das jüdische Oesetz. Ferner wird sich ein Kursus in der Jugendtischlerei anschließen für Studenten, die an der Erziehung der jüdischen Jugend zur Abkehr vom Händlertum und an der Erziehung zur produktiven Arbeit mitarbeiten wollen. Für jüdische Mädchen und Frauen werden in manchen Gebieten besondere Kurse eingerichtet. Hand in Hand mit der theoretischen Ausbildung muß die praktische Ausbildung in den Gruppen der bereits bestehenden Volksheime gehen. Wir hoffen, daß durch dieses Seminar, dessen Kurse immer fünf Monate in Anspruch nehmen werden, das Kartell einen Stamm von ausgebildeten Helfern in der jüdisch-sozialen Arbeit gewinnen wird, die zusammen mit den ausgebildeten Helferinnen vielleicht schon als Studenten an den dringendsten sozialen Aufgaben im Osten mitarbeiten werden. Ich denke da in erster Linie an die Einrichtung von studentischen Feriensettlements in Wilna, Lodz usw., und überhaupt an die Ausbreitung der Settlementidee unter der ostjüdischen Studentenschaft. Bei den mangelnden Fähigkeiten in der Organisation unter den Ostjuden würde diese unsere Hilfe, vorausgesetzt, daß sie mit dem gehörigen Takt geübt wird, dankbar begrüßen. Durch eine gut durchgeführte Arbeitsteilung wäre das Kartell demnach in der Lage, in jeden Ferien eine gewisse Zahl von Helfern, vielleicht zusammen mit einem Arzt und einen erfahrenen Nationalökonomen, in ein solches Settlement zu schicken.