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Der jüdische Student · 1919-05-01 · Heft 3 (Mai 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 3 (Mai 1919)
Date
1919-05-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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LEHMANN, Erziehung zur sozialen Arbeit 67 an einer schönen Geselligkeit, durch verständnisvolles Eingehen auf alle die Dinge, nach denen ein junger Mensch in seinem Leben verlangt, ein wirklich das ganze Leben der Jugend umfassendes Zentrum zu schaffen.; Das Settlement ist, besonders im Osten, als Ausgangspunkt jeglicher Arbeit gedacht, die sich auf die wirtschaftliche und gesundheitliche Hebung des Volkes richtet, besonders des Straßenviertels, für welches sich das Heim verantwortlich fühlt. Es werden sich daher im Settlement im Osten junge Aerzte, Helferinnen, die in der Säuglingspflege und der Krankenpflege ausgebildet sind, Nationalökonomen, die mit dem Genossenschaftswesen vertraut sind und andere soziale Arbeiter ansiedeln und durch intensive Arbeit das Siedlungsheim zum Mittelpunkt sozialer Arbeit in galizischen und polnischen Städten machen. Aufgabe des National-Oekonomen wird es sein, durch Gründung von Konsumgenossenschaften, Produktivgenossenschaften, freiwilligen Krankenkassen, Darlehnskassen das darniederliegende Wirtschaftsleben der Ostjuden zu verbessern. Die Vielseitigkeit der kulturellen und sozialen Arbeit in einem Settlement ermöglicht es wohl jedem Akademiker, seinen Kräften gemäßen dem Neuaufbau des Volkes mitzuarbeiten, vorausgesetzt, daß er nicht in bürgerlicher Dünkelhaftigkeit, sondern voll Ehrfurcht und als Lernender ins Volk geht. Betrachten wir noch einmal zusammenfassend die Gründe, die der Settlement-Bewegung im jüdischen Volke ihre besondere Bedeutung geben: 1. Das jüdische Volk lebt zerstreut unter fremden Völkern. Mit jedem Tage fällt in dieser Zeit ein Stück jüdisch-kultureller Eigenart. Was ist natürlicher, als daß sich das durch die fortschreitende Assimilation bedrängte Volk Stätten schafft, die der Erhaltung und der Erweckung jüdischer Volkskultur, ^der jüdischen Sprache, des jüdischen Schrifttums, der Volkslieder und der Sagen, der nationalen Sitten dienen? Diese Aufgabe Pflegestätte nationaler Kultur zu sein, kann aber nicht in Abendvereinen oder in einer Schule durch Belehrung und Diskussionen geleistet werden, sondern nur durch eine wirklich zusammenlebende Gemeinschaft der Angehörigen aller Volksschichten von Kindern, Arbeitern, Frauen, Studenten, Händlern usw. Solche Inseln jüdischen Volkslebens inmitten fremder Völker sollen die jüdischen Settlements in der Diaspora werden.

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