Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Heim, dieses bleibt bis zum Mannesalter das Lebenszentrum des jungen Menschen. Anders als durch diese intensive Beeinflussung des Kindes von früh an wird es nicht gelingen, die allen Gefahren ausgesetzte jüdische Jugend zu wahrem Menschentum zu erziehen. Das zweite unterscheidende Moment Jiegt in 0 der Art der Settlement-Erziehung. Diese ist keine schulmäßige, will nicht etwa durch lehrhafte Vorträge oder Unterrichtsstunden, Moral vermitteln, sondern das Wesen der Settlement-Erziehung liegt in der Beeinflussung durch das freundschaftliche Miteinanderleben von Mensch zu Mensch; durch das persönliche Mitleben des Führers in der Gemeinschaft. Der Führer jeder Kameradschaft, sei er der Leiter eines Knabenklubs oder eines Klubs junger Männer, lebt in engster Kameradschaft mit jedem - einzelnen seiner Gruppe. Er wohnt im Settlement oder ist dort sehr oft in der Woche zu treffen, oder er wohnt bei seiner Familie in der Nachbarschaft. Die Knaben und die jungen Leute,, die ja alle in der Nachbarschaft des Heimes wohnen, kommen mrt ihren kleinen und großen Sorgen zu dem älteren Freund, der zu helfen sucht, soweit es in seiner Macht steht. Durch nachbarlichen Verkehr mit den Eltern sucht man sich ihr Vertrauen zu erwerben. An diesem Vertrauen der Eltern ist dem Volksheim ganz besonders gelegen, um bei der Wahl des Berufs der Kinder entscheidend mitsprechen zu können. Die Schwierigkeiten, die ostjüdische Eltern der Wahl eines landwirtschaftlichen oder handwerklichen Berufes entgegensetzen, sind nicht gering. Es bleibt daher nur übrig, eine so starke Liebe zum Handwerk und zum Ackerbau von früher Kindheit an in die Herzen der Kinder zu pflanzen, daß eine andere Entscheidung als für einen dieser Berufe garnicht mehr in Betracht kommt. Deesem Zwecke dienen die Werkstätten im Volksheim, in dem Jungen vom 10. - bis zum 14. Lebensjahre Unterricht im Tischlern, Metallarbeiten, Buchbinden erhalten. Eine Jugend-Gärtnerei muß ebenfalls zu jedem Volksheim gehören. Während an den Wochentagen die Jugend in einzelnen Gruppen, Klubs oder Kameradschaften zusammenlebt, gibt es an den Feiertagen und ™ Sabbath nur eine -große Volksheim-Gemeinde, zu der auch die Helfer gehören. Der Sabath-Nachmittag dient der ernsten Aussprache, während an den Sonntag-Nachmittagen jüdische oder deutsche Musik gepflegt wird. So ist das Heim bemüht, durch Einbeziehung aller Lebenserscheinungen in Freude am Lernen, an der Musikft: