Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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62 LEHMANN, Erziehung zur sozialen Arbeit Studenten auch weiterhin mit der Begründung, der Gemeinschaftsgeist innerhalb des Kartells könne leiden durch eine zu stark in Anspruch nehmende außerhalb der Verbindung liegende Arbeit, dann, liebe Bundesbrüder, wollen wir konsequent sein und auch energisch gegen die Auswanderung von Bundesbrüdern nach Palästina protestieren, denn durch den Umstand, daß Bundesbrüder das Land ihrer Kartellverbindungen verlassen, wird der Zusammenhalt in K.J. V. ganz erheblich gestört! Wir fordern, daß das Karteil heute den Geist der wirklich jugendlichen Jugend begreift, die Sehnsucht nach Tat und Hingabe hat, die Ekel empfindet vor der im Zionismus herrschenden Selbstbefriedigung in Worten. Und wenn sich wirklich völlige Hingabe an die Gegenwartsaufgaben, wenn sich soziale Arbeit nicht verträgt mit den Grundsätzen des K. J. V., dann tun wir besser, das Kartell aufzuheben, als daß wir systematisch Studenten hindern, in jugendlicher Begeisterung dem Volke voll und ganz zu dienen! Zu diesem Verbrechen an unserem Volke hat das Kartell nicht das Recht. Dann wollen wir zwei Kartelle gründen, das eine zur Pflege der Geselligkeit und zionistischer Gesinnung, das andere zur Verwirklichung der nationalen Forderungen durch die Tat! Der zweite Grund dafür, daß das Kartell nicht den Geist schafft, aus^1 dem soziale Arbeit im Volke erwachsen kann, ist die Einstellung der westjüdischen Studentenschaft zum Volke. Weder im Programm nocht in der Wirklichkeit existiert für die westjüdische Jugend das in einer Masse von neun Millionen lebende jüdische Volk. Was scherte uns auch diese Masse, wie sie im Osten noch heute eine nationale Einheit bildet, wenn doch erst, nach unsererrTEinzug in Palästina die nationalen Verpflichtungen an uns herantreten würden. Diese Projizierung unseres nationalen Verantwortungsgefühls in eine ferne, sehr vage Zukunft kam unserer Trägheit besonders entgegen: indem man einerseits jede Tat am Volke hier im Golus ablehnen konnte und andererseits nicht gezwungen war, sich schon heute mit dem Volkstum der Masse unseres Volkes auseinanderzusetzen. Diese völlige Unkenntnis des Volkes, diese Fremdheit den eigenen Volksgenossen gegenüber führte zu jener bürgerlichen Dünkelhaftigkeit des westjüdischen: