Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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LEHMANN, Erziehung zur sozialen Arbeit 63 Akademikers, welche die Masse unseres Volkes schon von vornherein mit Mißtrauen und Abneigung erfüllte. Vollgepfropft mit Vorurteilen und ohne jede Ehrfurcht, gab sich die westjüdische Jugend, die sogenannte Führerschaft des Volkes, garnicht die Mühe, in die Dinge einzudringen, die^dem Volke noch heute als teuer und heilig gelten. Man vergaß, daß wir uns niemals das Vertrauen des Volkes, die Voraussetzung jeder Art von Führerschaft, erwerben werden, solange wir nicht als Freunde zum Volke kommen, ferner solange wir nicht uns im Geiste mit den Idealen unseres Volkes aufs Tiefste verbundeh haben. Wie sollten wir auch an dem kulturellen oder wirtschaftlichen Aufbau des Volkes im alten oder im neuen Lande mithelfen, wenn uns die Wurzeln seines geistigen Lebens und sein Wesen fremd geblieben ist? In der sozialen Arbeit im Volke wird der junge Student eicht nur die Möglichkeit finden, durch aktives Eingreifen selbst das neue Volk gestalten zu helfen, sondern er wird sich auch hier die Voraussetzung zu jeder zukünftigen kulturellen und sozialen Arbeit am jüdischen Volke schaffen: Kenntnis und Wissen vom Wesen des jüdischen Volkes. Wohl können wir uns Kenntnisse hiervon fern vom Volke aus Büchern aneignen, vielleicht gerade in dem Maße, als es notwendig ist, darüber Bescheid zu wissen, aber unser lebendiges Eigentum wird all dies nur, wenn wir es im engen Zusammenleben mit unserem Volke, aus seiner Hand selbst empfangen. Nur im Hause mit den Ostjuden zusammenlebend, werden wir das Wesen des Volksgeistes verstehen, den Alltag und den Sinn der Tage, an denen er über das Alltagsleben hinauswächst, den Sinn des Sabbaths und der Feste. Die jetzige Einstellung des Kartells zu den Massen unseres Volkes im Osten und die im Vordergrunde stehende Einstellung auf Palästina scheint uns noch aus einem anderen Grunde verwerflich. Wir wissen heute, daß die Zahl der Akademiker, die in Palästina einen Raum finden werden, nur sehr gering ist Wir wissen, daß für so und so viele Aerzte, Juristen, National^ «Ökonomen usw. in Palästina keine Lebensmögiichkeit bestehen wird, und dennoch erziehen wir in blinder Gedankenlosigkeit die studentische Jugend weiter in dem Gedanken auf Palästina. Andererseits aber wissen wir, daß im jüdischen Osten Akademiker aufs dringendste gebraucht werden, daß wir dort unendlich viel