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Der jüdische Student · 1919-05-01 · Heft 3 (Mai 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
16 (1919)
Issue
Heft 3 (Mai 1919)
Date
1919-05-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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LEHMANN, Erziehung zur sozialen Arbeit 61 schaffen will, aus dem eine solche opferfordernde Tat am Volke geboren werden kann. Und zwar aus mehreren Gründen: weil die jüdische Studentenschaft sich so an das Korporationsleben der deutschen Studenten assimiliert hat, daß ihr mehr daran gelegen ist, eine gut organisierte Studentenkorporation zu schaffen, als entscheidend -mitzuwirken an den Gegenwartsaufgaben unseres Volkes. Immer wieder wird von den Bundesbrüdern erklärt, daß die Studenten, solange sie Studenten seien, keine Arbeit leisten sollten, die sie ihrem eigentlichen Lebenszentrum, der Verbindung, zu stark entfremden könnte. Der Student gehöre in die Verbindung und jede Arbeit, die das Einsetzen seiner ganzen Persönlichkeit für eine andere Sache als die der Verbindung fordere, lockere das Gemeinschaftsband in der Verbindung, zerreiße den K. J. V.-Zusammenhalt und sei deshalb unangebracht. Damit ist im allgemeinen dem Akademiker jede Möglichkeit sozialer Arbeit genommen; denn nur die Studentenjahre kommen für die soziale Arbeit in Betracht, jeder Kenner sozialer Arbeit weiß, daß sie das Einsetzen der ganzen Persönlichkeit, restloseste Hingabe voraussetzt, und jede soziale Arbeit, die diese Hingabe nicht zur Voraussetzung hat, sollte sich nicht soziale Arbeit nennen, sondern vielleicht sportlich-soziale Betätigung oder Wohltätigkeit nach Art der Kurfürstendamm-Bevölkerung. Also in dem Augenblick, wo das Kartell das Leben des jungen Studenten für die Verbindung fordert, ist es vorbei mit der Hoffnung, daß die jüdische Studentenschaft es sein wird, die nicht durch Reden, sondern durch die Tat die so dringend notwendige Hilfe bringen wird. Hat der Student seine freien, ungebundenen Studentenjahre verstreichen lassen, ohne daß er zur sozialen Arbeit gekommen ist, so wird er in den Jahren nach dem Schlußexamen, nach dem Eintritt in den Existenzkampf und nach der Verheiratung soziaie Arbeit erst recht nicht so intensiv leisten können, wie sie, wenn sie wertvoll sein soll, geleistet werden muß. Wir fordern daher von den Kartellverbindungen, die doch ihre wesentlichste Aufgabe in der Mithilfe an dem Aufbau des Volkes sehen sollten, daß sie ihre eigenen Interessen zurückstellen hinter die des Volkes, daß sie den Studenten schon von früh an vor die Aufgabe stellen, durch die Tat, nicht durch glänzende Worte an der Erneuerung des Volkes mitzuhelfen. Behält man das alte System bei, unterbindet man die soziale Arbeit des

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