Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Äf&er, Neuorganisation der Altherrenschaft von Götthold Weil einen Lektor für Judaica empfohlen haben woHte, es ihm unmöglich war, einen geeigneten K.J.V.-er dafür zu finden. Wir werden diesen Zustand nicht auf einmal ändern können, aber wir würden schon viel geleistet haben, wenn es uns gelänge, im Karteirund in der Jugend überhaupt dem Gedanken zur Geltung zu verhelfen* daß jüdische Zukunft% nicht nur mit Diskussionen und mit der Vertiefung in die eigene psychische Konstruktion aufgebaut werden kann, sondern daß es dazu immer nötig war und sein wird, zu lernen und fm arbeiten, um die geistige, historische un4 kulturelle Kontinuität des jüdischen Volkes durch alle Epochen seiner Geschichte hindurch zu erfassen und wissenschaftlich mit zu begründen. Rein praktisch stelle ich es mir so vor, daß der A. H.V. durch eine geeignete Kommission Aufgaben stellt, die zu bearbeiten wären, und daß er für diese als Preis etwa eine 'Palästinareise gewährt. Diese Kommission hätte auch Themata für Dissertationen über jüdische Themata als Vor- und Teilarbeiten umfassenderer Untersuchungen auszuwählen und evtl. die Bundesbrüder bei der Beschaffung wissenschaftlichen Materials zu beraten. Auch für diese und andere kulturelle Aufgaben, die die Diskussion vielleicht noch ergeben wird, erscheint uns ein gut organisierter A.H.V. unerläßlich. Die Arbeit an unserer eigenen Gemeinschaft an und für uns selbst, — dieses dritte Arbeitsgebiet erscheint uns fast als der wichtigste Teil unserer Arbeit am deutschen Judentum, denn er umfaßt alle diejenigen Dinge, mit denen wir versuchen sollten, uns von neuem unser K. J. V.-ertum zu befestigen, es uns, um mich modern auszudrücken, wesenhafter zu machen —, um daraus das zu machen, was unser* oberstes und letztes Ziel ist: eine zionistische Lebensgemeinschaft. Es ist schon oft betont worden, daß es die Aufgabe der Alten Herren des K. J. V. sein müßte, „die jüdische Gesellschaft" in Deutschland zu bilden. Das scheint mir in der Tat ein bedeutsames Ziel für uns. Von allen Vorwürfen, die uns gemacht werden, muß uns am empfindlichsten derjenige treffen, daß das private und öffentliche Leben und Auftreten der deutschen Zionisten, insbesondere der im Beruf stehenden Akademiker, in vielen Fällen kaum einen Hauch verspüren läßt von dem prinzipiellen Gegensatz, in dem wir uns geistig und theoretisch zu der Majorität der assimilierten deutschen Judenheit befinden. Wie können wir dies ändern?' Die Frage aufwerfen, heißt ihre Schwierigkeiten uns klär machen! Wir müssen uns bewußt sein,/ daß alles, was wir gerade im westeuropäischen Golus — im Osten wird es anders sein —, hierfür tun können, ewig Surogat bleiben wird, als solches unecht und erzwungen, und daß nicht die Form, sondern der Inhalt das Wesen einer Sache ausmacht. Ich selbst muß für mich und viele in gleicher Lage Befindliche bekennen, daß