Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537737-3537739--4466-3542218- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Afcßer, Neuorganisation der Altherrenschaft 47 gehalten haben und von denen manche Jüngeren mit Unrecht annehmen, sie seien schlechtere K. J.V.-er und Zionisten, weil sie nicht jede zionistische Entwicklungsphase mitgemacht haben. Diesen psychischen Antrieb brauchen insbesondere diejenigen — und deren sind doch einö ganze Anzahl — denen eine selbständige öffentliche Tätigkeit nicht liegt, denea die äußeren und persönlichen Vorbedingungen dazu abgehen. Mag die Entwicklung dahin führen, daß das Kartell der Korporationen seine einheitliche Grundidee, die schon heute erschüttert scheint, aufgibt, die Alt-Herrenschaft als Gesamtheit wird unbedingt eine geschlossene Grundstimmung als Grundlage ihrer Außen- und Innenarbeit gebrauchen, und diese kann nur eine solche sein, die uns nicht irgendwie zu sektenartigem Abschluß mit dem vorherrschenden Zwecke innerer Arbeit an uns selbst führt, sondern die uns zur praktischen, politischen und kulturellen Arbeit, zur Einwirkung auf Außenstehende, zur Propaganda unseres Zionismus, kurz zur Arbeit im und am deutschen Judentum innerlich entschlossen macht. Für diese Arbeit scheint uns in der heutigen Situation des Zionismus kaum eine Konfliktsmöglichkeit oder eine die Einheitlichkeit der Alt-Herrenschaft wesentlich gefährdende Differenz vorhanden zu sein. Und so müssen wir, wie ich glaube, auch aus diesen inneren Gründen einen lebendigen und geschlossenen Alt-Herren-Verband fordern mit eigenem Arbeitsgebiet und eigener unabhängiger Leitung. Eins aber möchte ich hier gleich hervorheben: Die hier skizzierte einheitliche Grundstimmung, aus der heraus ich mir den Zusammenschluß der Alten-Herren denke, soll nicht als ein geistiges Gegengewicht gegen die lebendige Entwicklung des Gesamt-Kartells und der in ihm» ringenden Ideen gebraucht oder mißbraucht werden, und ich glaube auch, daß diese Gefahr gar nicht besteht. Der einzelne Alte Herr wird ja wie bisher Mitglied seiner Korporation bleiben, er wird in dieser und in den speziellen Alt-Herren-Bünden, die sich aus den Alten Herren der Einzel-Korporationen zum Zwecke ihrer speziellen Förderung bereits gebildet haben, teilhaben an dem Leben der nachfolgenden Generationen, und an ihm wird es liegen, bis zu welchem Grade er, führend oder teilnehmend, wie auch bisher, diesem Leben der Jungen verbunden sein wird. So sehr ich aber persönlich wünsche, daß die Alten Herren und daß die Leitung des Kartells in dieser Hinsicht nicht so versagen möchten wie in den letzten Jahren, in denen die Führung den Aelteren völlig entglitten ist, — daß sie nicht, wie wir es immer wieder gesehen haben, sich der geistigen Führung freiwillig entäußern und in einer übertriebenen «and aus dem Zeitgeist geborenen Ehrfurcht vor allen Regungen' der Jungen und Jüngsten nur immer auf alle, auch die unklaren Stimmen aus