Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537737-3537739--4465-3542217- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
46 Afcßer, Neuorganisation der Altherrenschaft ger Folge sich im K.J.V: ablösten,"oder der neueü Gedanken, Arbeits- und Gemeinschaftsformen, die heute innerhalb des K. J. V. um Anhang und Geltung werben — von diesen Fragefa wird auf dem Kartelltag selbst genug zu reden sein—, äber ich halte es doch für nötig, den inneren Zusammenhang dieser Entwicklung mit der Alt-Herren-Frage anzudeuten, und für unbedingt wichtig, sich hierüber klar zu werden und die Dinge so auszusprechen, wie sie sind. Das K. J. V. verlangt von seinen Alten Herren, auch von den Entferntesten und aus den unmodernsten Generationen Stammenden, einen dauernden Höchstwillen zur zionistischen Arbeit und eine Höchstleistung in ihr, aber es vermag ihnen nicht mehr so wie früher die einheitliche Grundstimmung zu übermitteln, die nun einmal die psychische Grundlage jeder Auswirkung, jeder Umsetzung des eigenen Erlebens in Beeinflussung Außenstehender sein muß. Es vermag den Alten Herren heute nicht mehr ganz das zu sein, was es dereinst uns allen bedeutete, die jüdische Heimat im Golus, und es vermag ihm nicht mehr ganz das zu geben, was nur die Heimat und die Verbundenheit mit ihr dem Manne zu geben vermag: die Selbstsicherheit und Wurzelhaftigkeit, die unbedingte Gewißheit einer starken und harmonischen Resonanz in der Gemeinschaft, die er für sein Wirken, und seine Arbeit braucht Wir können keine Arbeit am jüdischen Volke leisten, wenn wir unser selbst nicht gewiß sind, wenn wir von einem Jahr zum andern, von einem Kartelltag zum nächsten, nicht die Formen und Arbeitsmethoden nur — das wäre ja nicht schlimm — fsondern die geistige Grundlage unseres ganzen jüdischen Seins angezweifelt und verändert sehen. Wir können keine Arbeit am jüdischen Volke leisten, wenn wir nie einen Abschluß finden können für die Arbeit an unserer Idee, wenn wir gezwungen sind, uns jedesmal von Neuem wieder zu ergründen und geistig einzurangieren. Wir brauchen zu dieser Arbeit das Bewußtsein, in eine Gemeinschaft eingereiht zu sein — und gerade auch wir Alten Herren brauchen es, die wir zwar nicht satte und rückständige Philister, aber doch fertige und in sich ruhende Männer sein und werden wollen — in eine Gemeinschaft, die ohne Experimentieren und geistige Unruhe Neues nur aus jüdischer Notwendigkeit herausgestaltet, und die gleichsam aus sicheren jüdischen Instinkten heraus ihren vorgezeichneten Weg geht — den Weg der Regeneration des jüdischen Volkes, die wir an uns selbst, auch geistig beginnen wollen, und seiner Repatriierung in Palästina. Dies ist der Weg des Altherrenverbands, und alles, was dafür hier im Golus an uns und den anderen getan werden kann, sein Arbeitsgebiet. Diese einheitliche und instinktsichere Grundstimmung brauchen grade viele von denjenigen Alten Herren^ die sich zurück-