Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3537599-3537737-3537738--4441-3542192- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
23 sein Lebensziel sehen. Ojese absolute Treue erwächst auf der Uebe--- zeugung von Thora rnin hasch:miaji:n, auf dem Jkwußtsciu» dad d ■.: Thora der Ausdruck rür den absoluten göttlichen IKlHon nt, der au-.lf;;hsolute Treue an sein Gesetz um des Gesetzes willen verlangt. absolute Wille trägt e?>en seine Kausalität in sich silbst. Gott ist sich selbst Ursache und Zweck, ist sich selbst Genüge. .Und das Indivjdu :^«. dessen Glaube in der Thora diesen Willen offenbirt sieht, imi!> Genüge seines Lebens darin finden, die Thora um ihrer selbst wi!l»-r zu lieben und zu üben. Und dlas ist auch das Giandmotiv der ort!; doxen Juden, die meiner Meinung nach allein d-is Reiht haben, sich t'i•<» ktreu?u nennen. Als nun diejenigen orthodoxen }u^nf die von der f.:- walt des Zionismus ergriffen wurden, in die zionisdische Leberisgemenschatt eintraten, merkten sie nicht, daß der Zionismus eine andere Erstellung ihres Lebensmotivs verlangt. Weil der Irfkdt der Thora, ihre praktische Ausübung, im Zionismus sogar noch die Ergänzung! erTahrt» -:»e das Uoiizs nicht geben kann: das Leben im heifgen Laude, beri.'cn sich dve Misrachisten beim 'Werben „um ihre Fremde, die sie soeben verlassen hatten, auf die Feststellung der Tatsache, daß ihre zionistische Zulcuntt in der Befolgung der Gesetze sich auch acht um Haaresbreite von ihrer orthodoxen Vergangenheit unterscheide. In dieser Karr-Erstellung gegenüber der Orthodoxie liegt merirer Meinung v uh die Verschwommenheit der misrachislischen Lebesxsan schauung. Dein nicht auf die tatsachliche Vereinbakeit des Zionismus mit de i* von der Thora geforderten praktischen Juderriain darf die Diskussion den Schwerpunkt verlegen. Oie Scheidung riegi vielmehr dann, daß der Zionismus die Einstellung de* L e h e n s m o t * s auf den jüdischen Volkswillen vcrlan gtt die Thoratreue aber die Et'n Stellung auT das Gesetz. Em weitere Verwirren 4 ruft feiner der stets von den Misrachisten mit Eifer vertretene Standpunkt hervor, Religion und Nationalität seien bei uns Juden eine untrennbare Einheit und daher die Mitarbeit der thora treuen Juden im Zionisrr.is eine selbstverständliche Folge. Hierbei übersehen sie, daP» der Einheit von Religion und Nationalität im judischen Volke noch nicht die Verknüpfung von Zionismus und Thoratreue enfsprk&t. Mögen sich au:h , Religion und Nationalismus in der jüdischen Volksseele nicht in ihre«t Umfange decken, so ist doch nicht zu leugnen, daß ©iiter allen natiOiiafcn Kräiten der religiösen oder auch religiös-ethischen Energie das Schwergewicht zufällt. Der jüdische Volksgeist wird immer religiös-ethisch orientiert sein, auf diesem Gebiete liegen seine klassisdfen Schöpfungen, das praktische Judentum ist selbst Produkt dieses Vo&sgeistes und zugleich eine der jüdischen Art entsprechende Lebensform. Mit dieser Betraohti:u£ der Dinge hätte natürlich der Misrachi eine Sritte [nne?fulb der zioraitischen Gedankenwelt und hätte dieselbe Zielstrebigkeit wie der Zioni-ü^u-;, während sich der durch das Gesetz determinierte Wüte Oes thoi itu . - .. Juden weit davon entfernt, mag dieser nun in der Agrrdah oder üü Misrachi organisier! sein. So haben wir nun die von einander verschiedenen psych« uo^iVf-.n Entstehungsmomeute von Thoratreue und Zionismus klar gelebt und mit gezeigt, welche Umstellung seiner Ideen den Misrachi vornehmer, muß, wenn er sich nicht eines inneren Widerspruchs schuldig madveii will. Der Zionismus, als politische Gesamtheit des jüdischen Vo'k-s, braucht sich jedoch um diese gedanklichen Vorgänge, nicht r\ kurrn: r \ sondern muß jeden afs Mitarbeiter willkommen huCcn. '/er sich »i: