Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Simon, Nachbemerkungen lieh und höchst überzeugend bewiesen hat. Und wenn man sich vi^ * damit entschuldigen will, daß die Sachtage sehr verändert war, naohd<*". Blumenlela ziim Präsidenten des Kartells gewählt worden war, so k fr man das weder sachlich noch moralisch gelten lassen: sathHch -idt-.K weil das Alt-Herren-Statut etwas Dauerndes, Blamenle.ds Prüsku schäft aber vielleicht nur etwas Vorübergehendes ist; moralisch nicht, v^i wir von jedem ujnserer Bundcsbrüder verlangen müssen, daß er .tv-j mehr sagt, als was er im! Augenblicke und möglichst auch ruch muh zehn Minuten selber glaubt. Nicht minder aber verurteilen wir das $rerbieten Zwirns, ins Präsidium einzutreten, wenn Fritz Löwenstein r.rd Erich Cohn „geoplert*4' würden; und wir haben innerlich gezittert* w-r der Möglichkeit, daß Blumenteid auf dieses unqualifi/ierbare AngdV-: eingehen könnte; wir atmeten auf, als er es — bleich und sichtlich erregt — ablehnte; aa gewann er in unseren Herzen vieles wieder, was irr-, schon verloren gegangen war. i Wir bedauern, wenn Walter Moses sein schönes, klares und hcilunüriiternes Palästina-Referat degradiert durch seine böse Rede, die vr«rherging; eine Rede, die wir nicht deshalb tadeln, weil sie in dte*-m Aiigenblicke taktisch-politisch unklug war, sondern weil wir eine (Gesinnung nicht schätzen, die das eigene Erziehungsideal als das ei!/?^ Mögliche hinstellt, und weil wir es als Disziplinlosigkeit empfinden und bekämpfen müssen, * wenn man immer sein ganzes Programm ahroM.r, sowie man angekurbelt wird. Wir lehnen aber auch andererseits die Rede von John Löwenth-ü ab. der gegen den Gedanken der landwirtschaftlichen BeruiVimi^chichtuu» in unsachiieh-bourgoiser Weise polemisierte, der es uns, die wir als Akademiker nach Erez Israel gehen wollen, seelisch erschwere, in .dieser Reihe mitzumarschieren, und also das Gegenteil von dem erre'cht, \v *s er "wohl erstrebt. Wer von uns heute für sich den landwirtfcIiaftSffhen Beruf ablehnt aus der ganz individuellen Erkenntnis heraus, däl er physisch oder psychisch nicht dazu imstande ist, Bauer zu werden, darf das nur iür sich tun. Keineswegs aber wird diese Stellungnahme durch eine Phantasie beeinflußt, die sich bereits Professor an der Universität in Jerusalem dünkt und Assistentenstcllen vergibt. Wir fcfrncu es ab, eine soziale Kluft zwischen den einzelnen Schichten des jüdffdieu Volkes zu konstruieren, wir empfinden es als unsittlich und verdei&lich,. die Berufswahl vom „Herrenstandpunkt" aus zu treffen, und allein der Gedanke an die größtmöglichste Leistung in Erez Israel — wozu als immanenter Bestandteil natürlich auch die Freude am Beruf gehört — beherrscht diejenigen von uns;, die nicht Landwirte werden können und die meist darüber traurig sind. ' Ist es nach dem Gesagten nun wirklich noch erforderlich, m versichern, daß uns Fraktionssitzungen und Besprechungen, Wahlen und Gruppenbildung nicht a priori verwerflich erscheinen, daß es uns nur atf den Geist ankommt, von dem sie getragen sind? Im Gegenteil kann uns grade die Intensität, mit der dieser Machtkampf geführt wurde, ein Zeichen iür die Lebendigkeit des Karteils sein, für die es auch sonst ueichu* und schöne Beweise gab. Zu ihnen rechne ich neben Walter Mo;es Palästina-Referat vor allem Kurt Blumenfelds Tendenzreder-itnd die ausgezeichneten Worte ßerthold Cohns. Wir verlangen nicht Frieden, sondern Ehrlichkeit, und wir vertrauen und wissen, daß wir in foem reinigendeii Kampfe viele der Obengenannten, daß ir besondere Kurt Blumenfeld auf unserer Seite finden werden — trotz alledem!