Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 16 (1919)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 J-Iirscß, Der erste Karte-frag Auch die Mannigfaltigkeit in den Korporationsfonnen usrf Jucht so weil gehen, daß sich dadurch die Bundesbrüder in ihrer Ueistesart völlig fremd gegenüberstehen und es z. B. bei den Uebenveisungen unüberwindliche Schwierigkeiten gibt. Es muß im Kartell Raum sein sowohl für den Blau-Weißen, der das Gemeinschaltsleben in aen Formen ues Wände rbundes liebt, wie für den Jungen, der noch Freude an einer Kneipe oder sagen wir vielmehr daran hat, mit Gleichgesinnten gemeinsam zu trinken und zu singen. Aber wir können, nicht an den Provtnzuniversitätcii iür jede- Nuance eine Korporation schaifen, und alle Korporationen müssen so sein, daß jeüem Bundesbruder die Teilnahme am Gemeinschaltsleben zuzumuten ist. Es gibt heute wohl kaum noch Korporationen, in denen /.. B. wöchentlich eine offizielle Kneipe stattfindet, und an einer gelegentlichen Kneipe kann jeder teilnehmen. - Diese Anschauung ist wohl teststehendes Ergebnis der allgemeinen Diskussionen über die zukünftige Gestaltung des Kartells. Nun noch einige Einzelheiten. Der akademis che Rahmen des Kartells wird beibehalten. Es ist in dieser Beziehung also alles beim Alten * geblieben. Nach wie vor können in einzelnen besonders liegenden Fallen Ausnahmen gemacht werden, wie dies ja auch bisher schon immer der Fall gewesen ist; aber prinzipiell sollen nur Akademiker aufgenommen werden. Das geschieht nicht aus einem Standesdünkel heraus, sondern weil wir glauben, daß im allgemeinen nur ein Student die Anforderungen, die die Korporation au ihn stellt, erfüllen kann. , Der Unterschied von Fux und Btirsch bleibt bestehen. Es war dies ein besonders umstrittenes Kamptobjekt zwischen den Hcchnwcrleuten und der altereu Richtung. Die Hechawerleute behaupteten, diese Einteilung sei veraltet, sie störe die wahre Gemeinschaft der Bundesbrüder. Davon hat sich die iMehrheit des Kartells nicht überzeugen können. Wir ghur.cn, daß die ruxenzeit auch bei uns nech eine Bedeutung Int, als die Zeit, in" der der junge Bundesbnider, der in eine neue Gemeinschait hineinkommt, noch nicht voll verantwortlich sein kann iür diese Gemeinschaft, noch nicht bestimmena mitentscheiden darf über das Geschick dieser Gemeinschait, deren Geist ihm noch fremd ist, selbst wenn er aus andern Jugendorganisationen zu uns kommt; daß die Fuxenzeit iber auc*i eine Zeit ist, in der dem jungen Bundesbruder Zeit gelassen werden soll, für stich und an sich zu arbeiten und in der er sich daher von verantwortlicher Tätigkeit in der Korporation wie auch außerhalb der Korporation zurückhalten soli. Das Verbot der unbedingten Satislaktion als Ergebnis der Satisfaktionsdebatte war für viele überraschend, Daß die unbedingte Satisfaktion aufgehoben werden,würde, war vorauszusehen; innere und äußere Gründe lagen vor. Aber grade die, die auf dem Königsberger Kartelltag für die Einführung der unbedingten Satisfaktion eingetreten waren, traten jetzt für das unbedingte Satisfaktionsverbot ein, zum Teil jr,it der gleichen Begründung: man dürfe nicht die Stellungnahme frei stellen, weil man dadurch Schwierigkeiten schaffe, Unehrlichkeit begünstige und viel kostbare Zeit vergeude. Gewißist das SatisUktionsverbot zum Teil auf die veränderten Verhältnisse in der deutschen Studentenschaft zurückzuführe;!; aber der Umstand, daß wir es hier — andern früheren Gepflogenheiten entgegen — gewagt haben, voranzugehen, zeigt doch die starke innere Entwicklung, die wir seit dem Königsberger Karteiltag genomma» haben. Wir haben uns viel mehr losgelöst aus den. Anschauungen unserer Umgebung: wir nehmen auf die Anschauungen der andern doch nicht mehr so viel Rücksicht und folgen mehr unseren eignen Gesetzen.