Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 8-11 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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162 Levinsohn, Vom wahren Sinn der Gemeinschaft bewahren können, wie es unter Gesinnungsgenossen erwünscht ist. Die Erkaltung dieses normalen Verhältnisses wird aber zur Unmöglichkeit, wentt wir gezwungen sind, mit Bundesbrüdern zusammenzuarbeiten, denen dl» Gegenwart noch nicht das Gefühl für das Unjüdische, Unwürdige, Widernatürliche und darum im eigentlichen Sinne Unsittliche der Kneipe, erweckt hat Man werfe mir nicht vor, daß ich selbst mich früher an defc Kneiptafel Vöhl jgefühit habe. So wird es vielen gehen. Aber wir haben uns innerlich^ von diesem sittlichen Unfug freigemacht und wir müssen verlangen, daß das Kartell hier nicht nur negativ-tolerant reformier^, sondern positive Erziehungsarbeit leistet, indem es die Kneipe in jeder Form beseitigt. Ich komme damit zu den positiven Aufgaben, die demT Kartell meiner Ansicht nach fernerhin zufallen werden, d. h. zu den Aufgaber*,, an deren Erfüllung jeder Bundesbruder mitzuarbeiten verpflichtet sein aamHch als eine Lern- und Lehrgemeinschaft. Und ymf diesem Grundi wird. In dieser Hinsicht, fasse ich das < Kartelf als eine Bildiungsbasieren die positiven Forderungen unseres Programms, die sämtlich deii Ausbau der wissenschaftlichen, politischen, allgemein-jüdischen und körperlichen Ausbildung zum Ziel haben. Für alle ohne Ausnahme ist Hebräisch offiziell; für alle, mit Ausnahme der Alten Herren, offiziell ein Kurs, der in jedem Semester auf jüdisch-wissenshaftiichem GebieJ zu halten ist; für die beiden ersten Semester wird außerdem ein Seminar eingerichtet, das mit einem) Examen schließt. Schließlich wird ein Patästinaseminar für alle offiziell gemacht. Daneben wie bisher Fechten, Turnen, "Wandern. Diese Veranstaltungen müssen, andere dürfen nicht ©ffizieli gemacht werden. Zum Schluß bedarf es noch einiger Bemerkungen über gewisse organisatorische Dinge. Jede einseitige Leitung des Semesters etwa durch, einseitige Auslegung der Kartelltagsbeschlüsse muß. vermieden werdert Darum müssen wir verlangen, daßi das Semester von einem auf dem Konvent gewählten und dem Konvent verantwortlichen Präsidium geleitet wird;, dem in jedem Falle ein Vertreter der in der Verbindung an erkanntet Gruppen angehört. Denn es werden sich allmählich vielleicht mehrere Gruppen bilden, die die Gesetzgebung des Kartells in demokratischer Weise handhaben werden. Eine Gruppe ist anzuerkennen, wenn es von mindestens drei Bundesbrüdern beantragt wird. Was die Werbearbeit betrifft, so muß' einmal die Auswahl derjenigen, an die wir herantreten, nach ganz bestimmten Quaiitätsgesiditürpunkten vorgenommen werden; das Bekenntnis zum' Zionismus genügt nicht, um jemand als Bundesbruder geeignet erscheinen zu lassen. Auch darf niemand zur Werbearbeit gezwungen werden. Der gute K. J.V.-er wird seine Freunde von selbst und gern zu uns bringen. Vor allem' aber hat der Einti etende sich einefr dreiwöchigen Probezeit zu unterwerfejn und kann erst nach Ablauf dieser Frist rezipiert werden. Wir können nicht jeden brauchen, sondern nur den, auf dessen menschliche Qualitäten^, und sei er auch sonst kein Genie, wiir uns verfassen können. Ich glaube, die politische Situation gibt uns ein Recht, zu wählen. Das umso mehr, als wir uns auf diese Weise den Zusammenhang mit der national-jüdischen Jugend Deutschlands werden wahren können. Und auch das müssen wir verlangen, die wir mit dieser Jugend durch starke menschliche Bande verknüpft sind: durch Kameradschaft. Wir müssen darum auch weiter fordern, daßi es uns nicht verwehrt werde, mit unsere» Kameraden offen und ehrlich über das zusprechen, was innerhalb den na-