Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 8-11 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Levinsohn, Vom wahren Sinn der Gemeinschaft 161 Jtächkeit hält, sondern indem man den zu Erziehenden ins Leben führt Und ihm zeigt» daß und warum er falsch gehandelt hat. Das Schema Unseres Fuxeninstituts aber müß seinen Zweck verfehlen, denn unreife -Menschen werden dadurch nicht reifer und reife bedürfen dessen nicht. Äe Reform nach diesen Grundsätzen ist darum eine Angelegenheit des igänzen Kartells.;, für uns aber ist sie eine absolute Notwendigkeit; denn man wird einsehen, daß der enge Kreis unserer Gemeinschaft eine Absperrung,, wie sie das Fuxeninstitut bedeutet, unter keinen Umständen Vertragen kann. Ich glaube, daß ein junger Mensch durch nichts so entschieden zürn Guten beeinflußt wird, als dadurch, raß er am Leben älterer Freunde teilnimmt, die ihr Bestes daran setzen, ihn zu einem vis bonus zu erziehen. Das B. C.-Geheimnis ist In diesem Zusammenhange üür uns eine absolute Unmöglichkeit. f. Das gleiche gilt von der studentischen Kouleur und des Satisfaktions- £wangs. Abgesehen davon, daß das alles Dinge sind, die wie nichts anderes .den jungen Studenten vom Ziel ab auf die Straße lenken, bedeutet der, .Zwang zur Befolgung dieser Formen die Sprengung des Kreises derer, die Vom rein menschlichen Standpunkt diese Errungenschaften des deutschen Mittelalters entschieden ablehnen müssen. Wir wirden die innere Bin- Üdüiig an Zion nicht finden, wenn wir uns den Weg systematisch durch «derlei Ablenkungen verrammeln; wir werden, wie Buber es ausgedrückt hat, eine judaiisierende Abteilung der deutschen Jugendbewegung bleiben, 'wenn 4wir nicht neben unserm Intellekt auch unser ganzes Getühlsleben, das Gefühl für das Schöne und den Sinn für das Gemeine darauf einstellen,, joder es wenigstens lernen, uns darauf zu konzentrieren, was allen Juden der Welt heilig ist. Formen sind der Ausdruck dessen, was in uns lebt. Wenn aber Palästina wirklich in uns lebt, dann müssen wir zu andern Formen gelangen als die deutsche Studentenschaft. Was wir jetzt an Formen haben ist eine Verirrung des jüdischen Gefühls, ist ein historischer Irrtum. Wir müssen jedenfalls verlangen, daß« wir unseren Kreis in diesen :An schauungen heranziehen, weil das alles Dinge sind, in deren geistiger und gefühlsmäßiger Konzeption wir durchaus einig sind. Sollte also das Kartell sich zur Anerkennung dieser Anschauungen nicht durchringen können — wir werden die Einheit unserer Gemeinschaft nicht preisgeben. Aehnlich steht es mit denjenigen Veranstaltungen, die die innere Bindung innerhalb der Organisation als solcher herstellen sollen, den geselligen Veranstaltungen. Man darf uns nicht zu einer Geselligkeit zwingen, die wir weder innerlich bejahen noch als notwendiges Bindemittel anerkennen können. Neben der Beseitigung der Kouleur und des Satisfaktionszwanges müssen wir daher mit gleicher Notwendigkeit die Beseitigung; des Zwanges zum Besuchder geselligen Veranstaltungen verlangen. Keine Ausnahme hiervon macht die Kneipe, deren Bedeutung als erzieherischer Wert, wie ich glaube, auch von anderer Seite bereits stark in Zweifel gezogen worden ist. Hier aber können wir uns mit der Beseitigung des Zwanges nicht begnügen. Das werden die am besten verstehen, die uns unberechtigterweise den Vorwurf machen, daß wir jede menschliche Beziehung zu den Bundesbrüdern außerhalb unseres Kreises abzubrechen bestrebt wären. Wir brechen keine Beziehungen ab, sondern wir bilden unsere Gemeinschaft nach der Interisivität dieser Beziehungen.;Und wir begrüßen es freudig, wenn wir in der theoretischen und erzieherischen Arbeit innerhalb des Kartells zu allen Bundesbrüdern ein Verhältnis