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Der jüdische Student · 1919-02-01 · Heft 8-11 (Februar 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 8-11 (Februar 1919)
Date
1919-02-01
Page
[Seite] (sequence 50)
Language
German
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160 Levinsofin, Vom wahren Sinn der Gemeinschaft Aber nicht daFauf kommt es .an, daß ale sich im Kartell finderj als der wahren Gemeinschaft, sondern darauf, daß das Kartell Raum haf für alle, die überhaupt einer Gemeinschaft angehören, auch wenn diese Ge^ meinschaft im Kartell nicht aufsondern gewissermaßen durch da$ Kartei hindurch geht, da sie sich nach rein menschlichen Beziehungeri bildet und ihre Glieder auch verschiedenen Organisationen angehöret! können, in der Regel angehören werden. Wir müssen die Organisation scheiden von der Gemeinschaft. Wir müssen es, denen die Organisation, der Zusammen? Schluß nach objektiven Gesichtspunkten, nicht die „Gemeinschaft ist, die wir uns nach innerem Gebot erwählen müssen. Gewiß wird das Kartell für viele die Gemeinschaft sein, für alle nämlich, deren Persönlichkeitsbildung! neben dem guten Willen und der theoretischen Erziehung nicht mehr und nicht weniger "Verlangt, als jene Art vbn Verbundenheit, die man als Bundesbrüderlichkeit bezeichnet. Wer durch diese Beziehung zu jüdischen Menschen jene innere Bindung an die Gesamtheit herzustellen vermag, wer sein Ich mit nationaler Kraft erfüllt weiß, wenn ihn die Treue mit den Gesinnungsgenossen verbindet, der wird an die Frage der Neuorientierung herangehen, wenn überhaupt, so höchstens aus Gründen, die sich auf die Organisationslorm als solche beziehen, nicht aber deshalb, weil es etwas außerhalb dieser Organisationsform gibt, was berechtigt und verpflichtet ist, von sich aus mit Forderungen an die Organisation heranzutreten. Wir aber verlangen die Neuorientierung nicht, „weil" wie es so oft heißt, „vieles sich überlebt hat", nicht, „weil es die Gegenwart erheischt, d. h. der Augenblick, sondern weil wir prinzipiell von der Unmöglichkeit überzeugt sind, daß jemals eine Organisationsform, wie sie das Kartell heute darstellt, imstande' wäre, allen denen gerecht zu werden, die ihre Gemeinschaft innerhalb des Kartells allein nicht gefunden haben. Wir verlangen die Reform, weil das Kartell nach Art der deutschen Studentenverbindungen auf die Identität von Organisation und Gemeinschaft zugeschnitten ist, eine Form, die den deutschen Verhältnissen entspricht, nicht aber der Situation unseres Volkes, das nur dann eine Zukunft hat, wenn jeder einzelne von innen heraus, d. h. durch die ihm entsprechende Gemeinschaftsart mit der Gesamtheit verbunden ist. Wir verlangen die Reform nicht, wie die deutschen Studentenverbindungen ies tun werden, weil das studentische Mittelalter fallen muß, sondern weil die jüdische Gegenwart sehr stark an dieser Reform interessiert ist. Wir verlangen die Reform aus nationalen Gründen. Was wir aber fordern müssen, wenn das Kartell weiter auf unsere Mitarbeit wird rechnen wollen, das ist in seinem' Wesen durch ein Doppeltes bedingt und begründet Einmal durch den Gedanken, daß die Gruppe von Menschen unserer Art, die sich ihre Gemeinschaft erwählt und sich mit der objektiv gegebenen nicht abzufinden vermag, daßi diese Gruppe von Menschen nicht gesprengt werde; und zweitens, daß' es üieser Gruppe als einer gegebenen Größe, einer Ganzheit möglich ist, ohne dauernden Gewissenszwang innerhalb des Kartells auszuharren. Mit der inneren Struktur der Gruppe, wie sie hier gedacht wird* unvereinbar ist vor allem das Fuxeninstitut. Wir wollen auch den Jung-? sten von uns nidit durch eine äußerliche, Absperrung von den Geheimnissen der Aelteren, sondern gerade dadurch erzielen, daß wir ihm Gelegenheit geben, alles zu erfahren, und doch zu .schweigen. Ist es nicht viel schwerer und viel heilsamer, auf dem Konvent zu sitzen und sich zu bev herrschen, als vor verschlossenen Türen schweigen zu müssen? Selbstzucht und Taktgefühl erzieht man nicht, wenn man ein Kolleg über Sittt

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