Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 8-11 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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JLevmsofitt, Vom wahren Sinn der Gemeinschaft 159 üicht; sie hätten ihr Ideal/"das Ideal der /Barmherzigkeit, wie Ja der Soziar lismüs überhaupt ein jüdisches Ideal ist. Aber warum machten sich Männer wie Marx und Lassalle auf, der Welt zu helfen, und kämen doch hicht zu ihrem Volke? Weil ihnen die innere Bindung fehlte an die nationale Idee, weil sie die Gesamtheit nicht in der Nation erlebten, Und warum war auch der Zionismus im Anfang* trotz seines starken nationalen Willens ein nationaler Fehlschlag, warum mußte erst Achad Haam kommen und die Liebe zur Nation predigen? Eben weil unser Volk durch bloße Ideen oder leere Ideale nicht erlöst wird, solange zu dem guten Willen nicht das hinzukommt, was Achad Haam die chihath Zion genannt hat: die innere Bindung an Zion. \ t Was ihr in der Organisation, sei es nun das Kartell, der Herzlkhiib, der Mädchenbund oder was sonst, im Höchst!J?e erreichen könnt, das ist neben der Aneignung von jüdischen Kenntnissen und einer Art Verbundenheit der einzelnen, die uns, wie ich zeigen werde, nicht genügen kann, der gute Wille. Das ist viel und ist notwendig.1 Und das erkennen wir unumwunden an. Aber was ihr innerhalb der Organisation als solcher und mit den Mitteln einer solchen nie erzeugen werdet, und wenn ihr noch so viel Fechtstunden ansetzt und noch so viel gemütliche Veranstaltungen anberaumt, das ist die innere Bindung an Zion. Denn diese innere Bindung ist weder eine Sache des Intellekts noch des guten Willens, sie ist lediglich eine Sache des Gefühls, und das Gefühlsieben läßt sich nicht kommandieern. Sie ist das, was man mit einem viel gebrauchten, aber auch viel mißverstandenen Ausdruck als Erlebnis bezeichnet. Damit ist keine sentimentale Schwärmerei gemeint — die wäre ein Zustand der Ohnmacht und der Schwäche —, sondern der nach Taten verlangende Impuls des Selbstbewußtseins, das sich erfüllt weiß von der Macht des Ueberindividuellen in uns. Hier finden wir, wenn nicht die Lösung, so doch die Klärung des Individualitätsproblems. Der einzelne soll seine Persönlichkeit voll entfalten. Was aber heißt Persönlichkeit? Man Kinn es nicht mit einem Worte sagen, aber so viel ist gewiß: Persönlichkeit ist die Synthese alles dessen im einzelnen, dessen er sich als innerer Einheit bewußt wird. , Die Ausstrahlungen des Wesens des einzelnen vereinigen sich ih dieser inneren Einheit. Und das Bewußtsein dieser Einheit ist im national Orientierten sowohl Bewußtsein seiner selbst wie Bewußtsein seiner Einheit mit der organischen Ganzheit, der er seine Existenz verdankt. Dirum ist wahres Selbstbewußtsein inhaltlich gleich mit dem Bewußtsein des unauflöslichen Verbundenseins mit der nationalen Gesamtheit Aber dieses wahre Selbstbewußtsein ist keinem von uns a priori gegeben; es erstrahlt in uns mir in Feierstunden, in denen wir der inneren Bindung an die Gesamtheit in unmittelbarem Empfindungsleben inne werden. Solche Stunden und solche Erlebnisse vermittelt keine noch so wohlgelungene Veranstaltung, wie sie die Organisation im Betriebe ihrer geräuschvollea Existenz inszenieren mußi, wenn sie auf die Massen wirken will. Solche starken seelischen Vorgänge vermag nur Wahlverwandtschaft hervorzurufen. Wenn Idarum der wahre Sinn der Gemeinschaft darin gefunden werden muß, wahre Persönlichkeiten zu schaffen, Menschen, deren Ich durch innere Bindung an die Gesamtheit geschlossen ist, so finden wir die wahre Gemeinschaft nur im Kreise derer, die wir uns auf Grund innerer Bindung erwählt haben. Andere Menschen mögen hier anders fühlen, die Intensität ihres Empfindungslebens wird dann eine andere Art der Gemeinschaft .fordern, als wir sie verlangen müssen.. . : .