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Der jüdische Student · 1919-02-01 · Heft 8-11 (Februar 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 8-11 (Februar 1919)
Date
1919-02-01
Page
[Seite] (sequence 48)
Language
German
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158 Levtnsohn, Vom wahren Sinn der Gemeinschaft vom wahren Sinn der Gemeinschaft scheiden. r Man versteht unter Individualismus meist diejenige Wiilensirichtuing, die als Autorität nichts gelten, läßt als das eigene Ich. Das ist der Individualismus, der zum Weltbürgertum führt und mit dem eine nationale Lebensanschauung schlechterdings unvereinbar ist. Daß dieser Art. von Individualismus hier nicht das Wort geredet werden soll bedarf keiner Ausführung. Das Problem beginnt für uns erst da, wo die Frage nach der Ausbildung der Persönlichkeit einsetzt. Denn auch der national Orientierte muß, wenn er überhaupt ein Idh in »ich trägt, mit zwingender Notwendigkeit einmal in den Konflikt geraten, der sich aus dem Widerstreit seines eigenen Ich und dem Verlangen nach Auswirkung seiner Persönlichkeit mit dem nicht minder intensiven Zugehörigkeitsgeruhl zur organisierten Gesamtheit der Nation ergibt, ein Konflikt, der für den Juden doppelt schwer-und schmerzvoll ist. ] Man versucht sich zuweilen aus diesem Konflikt dadurch zu retten, Öaßi man ihm ausweicht. Dann behauptet man, die Ausbildung der Persönlichkeit sei im Golus weder möglich noch erwünscht; wünschenswert sei im Gegenteil das Aufgeben des Personlichkeitsgedänkens zugunsten der notwendigen Forderungen der Gesamtheit. Ich glaube aber, daß. wir nur dann etwas Wertvolles für unser Volk leisten iwerden!, wenn wir ihm ganze Männer werden" zur Verfügung stellen können, und ich glaube auch an die Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen, denn eben darin sehe ich den wahren Sinn der Gemeinschaft: die Einheit des Indilviaüellen und des Ueberindividuellen im der Persönlichkeit herzustellen* ' Von diesem Gesichtspunkt aus erwächst für jeden einzelnen die Pflicht, sich der Gemeinschaft zuzuwenden, die für ihn Weg zu diesen! Ziel ist. Wir sagen darum nicht, das Kartell an sich sei keine Gemeinschaft dieser Art; wir sagen nur, das Kartell kann diese Gemeinschaft nicht für alle sein. Denn wenn die Gemeinschaft ihren wahren Sinn erfüllen, wenn sie den einzelnen zur Persönlichkeit entwickeln und doch mit dem Nationalen verknüpfen soll, so muß. sie seiner Persönlichkeit entsprechen, sie mußden einzelnen verstehen, der einzelne mußin ihr aufgehen und durch sie hindurch zur Volksgemeinschaft überhaupt gelangen. Es gibt also keine wahre Gemeinschaft schlechthin. Die wahre Gemeinschaft muß. für jeden einzelnen erst gefunden werden; denn die wahre Gemeinschaft ist mit der Organisation als solcher nicht gegeben, sie besteht für jeden einzelnen erst da, wo mit der Entwicklung seiner Persönlichkeit zugleich die Bindung an das Rationale gewährleistet ist. Die wahre Gemeinschaft ist die Gemeinschaft der inneren Bindung. Für den Golusjuden in seiner Zerrissenheit und inneren Haltlosigr keit, für diesen Menschen, der kein größeres Verbrechen an der Gesamtheit begehen kann, als wenn er anfängt, mit pich zufrieden zu sein, für diesen absoluten Zweifler und Rationalisten, der sich heute diesem unterordnet und morgen jenem, für diesen Menschen gibt es, wenn er der Kation nicht verloren gehen soll, nur eine Rettung: die innere Bindung an die Gesamtheit. Flößt ihm noch so viel Autoritätsbewußtsein ein, noch so viel Pflichtgefühl, noch so viel guten Willen, wer garantiert euch dafür, dlaßi er sich nicht morgen einem antfinatimialeni Ideal unterordnet, da ihm1 die innere Bindung fehlt an das nationale? Wie kam es, daß Herzl sich) so grausam täuschte, als er auf die jMit Üonen unserer Volksgenossen rechnete? Nicht weil diese Menschen im : Materialismus versunken waren, ließen sie ihn im Stich, das wäre» sie

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