Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1919-02-01 · Heft 8-11 (Februar 1919) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 8-11 (Februar 1919)
Date
1919-02-01
Page
[Seite] (sequence 32)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3537599-3537730-3537735--4377-3542127
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

142 Bericht des Präsidiums „Kadimali" Wien*) Seit Oktober 1918 haben wir den regulären Betrieb wieder aufgenommen. Der Antrittskonvent, der von 30 Alten Herren und allen Inaktiven, besucht war, wählte zu Chargierten: cand. jur. Paul Stern, med. Herrn, Lilienfeld und jur. Rudolf Philipp. Da Philipp im November als Vertrauensmann des Jüdischen Nationalrates! in den südslawischen. Staat abging, wurde jur. Walter Kohn an seine Steile gewählt. Die erste Zeit war durch Organisation des im Rahmen der österreichischen» Volkswehr aufgestellten und vom jüdischen Major Loewenstein kommandierten jüdischen Volkswehrbataillons ausgefüllt; später herrschte große Pogromfmcht. Die jüdische Selbstwehr wurde errichtet; es dürfte aber zu irgend welchen Unruhen kaum kommen, da die zahlreich einberufenen antisemitischen Versammlungen restlos von den Sozialdemokraten gesprengt Und die Einberufer gründlich verprügelt wurden. Seit kurzem hat sich die jüdische Oeffentlichkeit so ziemlich beruhigt, so daß) wir uns wieder Unserer eigentlichen Aufgabe zuwenden konnten. Die Zweiteilung in der Richtung unserer Tätigkeit kommt jetzt viel klarer zum Ausdruck als vor dem Kriege. Wie im Reich, so hat sich auch hier ein großer Teil der Studenten entschlossen, die Frage der Uebersiedlung nach Palästina mit ganz anderen Augen anzusehen als vor fünf Jahren. Auch im Kreise der5 Kaditnahner wird se"hr viel darüber gesprochen, das Sprechen ist aber nicht alles. Bisher haben sechs Bundesbrüder sich entschlossen, hinüber zu gehen, eine stattliche Anzahl der übrigen ist mit sich noch nicht ganz im klaren. Stabsarzt Dr. Armin Mayer (aktiver Offizier im Majorsrang) mit Frau und Kindern, Dr. Walter Werner, Dr. Hugo Erb er, Hermann L i 1 i e n f e 1 d , Gideon B i e r e r sind die „Entschlossenen". Dias Wie und Wann dürfte nach Friedensschlußbald zu einer befriedigenden Lösung führen. Was die Tätigkeit in Wien anbetrifft, so hat seinerzeit Ginsberg richtig darauf hingewiesen, daß die jüdische Jugendbewegung in Oesterreich während des Krieges in Bahnen gelenkt wurde, die sich in keiner Weise mit der bisherigen Richtung der, Wiejier Hochschulverbindungen auf einer Plattform vereinigen lassen. Damit sind wir bei einem Punkt angekommen, der uns allen schon sehr viel Kopfzerbrechen gemacht hat. Wir wissen sehr wohl, daßdas Leben der Wiener Korporations- Studenten nicht immer nur vom zionistischen Programm ausgefüllt wurde, andererseits erscheint die jetzige Richtung der Jugendbewegung in einigen Punkten noch bedenklicher. Dr. B e r n f e 1 d , selbst erst seit kurzer Zeit Zionist, ist heute fast unbeschränkter Herrscher über die organisierte jüdische Jugend, die Dr. Glanz im „Jüdischen Willen" nicht ganz richtig charakterisiert hat. Bei uns und auch in Parteikreisen wird der „Buberismus" der Jugend mit besorgtem Blick verfolgt Man braucht nicht so pessimistisch zu sein. Es war keine Kunst, während des Krieges, wo jedes Verbindungsleben ruhte, die Jungen zu einer unserer Richtung feindlichen Lebensanschauung im Zionismus zu erzielen. Aber kaum haben die acht Wiener Verbindungen sich reaktiviert, und schon läßt sich der Einfluß' auf die Mittelschuljugend nicht mehr verkennen. Wir warea zeitweise um den Nachwuchs besorgt. Wie sich schon jetzt zeigt, wac es eine überflüssige Sorge. Alle Verbindungen haben genügend Zulauf, *) Die innere Situation der zionistischen Akademikerschaf't in Wien i*t noch recht wenig befriedigend Das Präsidium

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.