Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 8-11 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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128 Bericht des Präsidiums setzen werde. Selbst im ungünstigsten Falle kann man damit rechnen, daß die jüdische Arbeit in Palästina nicht nur nicht gehindert, sondern in jeder Beziehung gefördert werden wird. Die Möglichkeit, selbst nach Palästina zu gehen, wurde für den Einzelnen immer greifbarer, und die Anschauung, daß für den jüdischen Akademiker im allgemeinen in Palästina kein Raum sei, konnte nicht länger aufrecht erhalten werden. Viele Akademiker, jedenfalls weit mehr als vor dem Kriege, wird Palästina brauchen und vor allem erscheint die Möglichkeit, zu einem anderen Berufe überzugehen, insbesondere zur Landwirtschaft, für die, die in vierjähriger Kriegszeit dem Studium doch entfremdet wurden, nicht so ungeheuerlich. Daß aber diese Anschauungen im Kartell immer stärker wurden, hängt damit zusammen, daß im Blau-Weiß die Palästinastimmung, diese Stimmung des Aufbruchs, bei einer viel eher zum Zionismus gelangten Jugend zu bedeutender Stärke gediehen war und daß unter Führung unseres Bundesbruders Walter Moses eine Berufsumschichtung einsetzte, auf Grund deren heute bereits etwa 60 bis 70 Jungen und Mädchen aus dem Blau-Weiß, darunter auch junge Bundesbrüder, landwirtschaftlich ausgebildet werden, um so bald als möglich den Weg nach Palästina zu finden. Aber in dieser Tatsache allein erschöpft sich nicht der Einfluß, den die nationaljüdische Jugendbewegung auf ^das Kartell gehabt hat. Es ist richtig gesagt worden, daß die Monopolstellung, die das K.J. V. vor dem Kriege als einzige nationaljüdische Jugendorganisation gehabt hat, geschwunden ist. Das K. J. V. sieht sich heute umgeben von einer mächtigen nationaljüdischen Jugendbewegung, in der es nicht einmal die unumstrittene Führung hat. Vor allem dem Wanderbund B 1 a u -W e i ß 0 9fe ist es gelungen, ein bestimmtes Zusammengehörigkeitsgefühl seiner Mitglieder zu schaffen, das auch diejenigen festhielt, die in das K. j. V. eintraten. Sie fühlten sich im K.J. V. fremd und von dem, was es ihnen bot, unbefriedigt. Die Blau-Weiß- Gemeinschaft, aus der sie hervorgegangen waren, blieb ihr Ideal. In ähnlicher Richtung wirkten gewisse, aus der Kriegsstimmung erwachsene Vorstellungen. Aus dem Abscheu vor der Entartung des Nationalismus, die der Krieg offenbarte, wurde der Wunsch geboren,, daß Palästina nicht nur ein jüdisches Zentrum werden möge, sondern der Sitz einer besseren Gemeinschaft, eines veredelten Nationalismus, und eine Stätte%spzialer Gerechtigkeit.