Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 8-11 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht des Präsidiums 127. gewarnt werden, als ob der Krieg nur eine Unterbrechung unserer Arbeit bedeutet habe und als könnten die im Kriege aufgetauchten Tendenzen und Strömungen einfach übersehen werden. Die Quellen, aus denen diese neuen Tendenzen entsprangen, waren verschiedene. Manche Bundesbrüder sind dadurch entscheidend beeinflußt worden, daß sie, bisher gewohnt, nur unter Juden, ja vielleicht nur unter Zionisten zu verkehren, als Soldaten gezwungen waren, mit Nichtjuden in monatelanger Gemeinschaft zu leben, daß sie, von allem Jüdischen abgeschnitten, zum ersten Mal lebendig erkannten, wis tief die Kluft ist, die den Juden vom Nichtjuden trennt. Viele Bundesbrüder sind durch dieses Erlebnis erst dazu gelangt, alle Brücken abzubrechen, die sie noch mit dem Deutschtum verbanden, und zu erkennen, daß nur in jüdischer Erde die starken Wurzeln ihrer Kraft gedeihen können. Die Sehnsucht nach einer jüdischen Gemeinschaft ist gerade aus dem Gegensatz zu der gezwungenen Gemeinschaft, in der so viele leben mußten, herausgewachsen. In dieser Sehnsucht nach Erlösung aus einer vielfach als erträglich empfundenen Umgebung mußte das Ostjudentum wahrhaft befreiend wirken, das kennen zu lernen, für viele Bundesbrüder eine entscheidende Wendung in ihrem Leben bedeutete. Zum ersten Mal sahen sie wahrhaft jüdisches Leben, blickten sie in das Leben des jüdischen Volkes, empfanden sie mit aller Stärke die Einheit des jüdischen Volkes und gleichzeitig ihren eigenen Mangel am Judentum. Mit aller Innigkeit erwachte der Gedanke, daß wir deutschen Zionisten den Weg zu unserem Volke zurückfinden müßten. Die Forderung nach dem Jüdischerwerden wurde lauter und lauter, und vielfach wurde sogar die Meinung vertreten, daß* nur der in Palästina mit der neuen jüdischen Gemeinschaft werde leben können, der durch längere Tätigkeit im Ostjudentum wieder ein Glied des jüdischen Volkes geworden sei. Der Einfluß, den das Zusammensein mit Ostjuden auf die Anschauungen vieler Bundesbrüder ausgeübt hat, kann nicht genug betont werden. Zu diesen persönlichen Eindrücken traten die großen äußeren Ereignisse, die sich im jüdischen Volke während des Krieges abgespielt haben. Zunächst die Tatsache, daß die Mächte ein immer stärkeres Interesse für die jüdische Palästinatendenz zeigten, bis dann die Entente mit Eindeutigkeit erklärte, daß sie sich für di^ Erfüllung der zionistischen Wünsche ein-