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Der jüdische Student · 1919-01-01 · Heft 7 (Januar 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 7 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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1G6 Cohn, Die Erneuerung des Kartells sehen Volks- und ''Jugendbewegung. An die Stelle der Lern- und Stimmungsgemeinschaft soll die T a t.g e m e i n s c h a f t treten. Von diesen Gesichtspunkten aus tritt die Jugend des Kartells an das Problem seiner Erneuerung heran. Hinsichtlich der korporativen Formen bedeutet das die Entfernung aller der Dinge, die ihre Begründung in Gesellschafts- oder ExpansionsrücksichtenJiaben: unser innerliches Bedürfnis und nicht die Rücksicht auf Außenffeiende muß, die Stellungnahme zu allen diesen Dingen (auch der Satisfaktionsfrage) regeln. Der Geist, der der alten Karteilpolitik zugrunde liegt, muß schwinden, das Streben nach Ausdehnung muß' dem Sireben nach Verbesserung Platz machen. Die zweihundert Berliner Alten Herren, deren größter Teil -Völlig philistriert ist und am zionistischen Leben nur passiv teilnimmt, ist uns Lehre und Warnung genug. Die Zahl unserer Füxe muß uns gleichgültig sein, ihre Güte uns stolz machen, nur dann können wir eine Gemeinschaft der Besten werden. Und diese Gemeinschaft muß von einer Stimmungs- und LerngeiTieinschaft zur Tatgemeinschaft werden: an Stelle der Erziehung und neben sie muß die Gemeinsamkeit des Lebens und Schaffens treten. Die Stellung des Kartells litt schon vor dem Kriege darunter, daßandere Gemeinschaften sich bildeten, die besser waren als wir. Die Blau-Weiß- und die Volksheimgemeinschaft überflügelten ans, weil sie den lebendigen Zusammenhang mit dem Volk herstellten, den wir verloren hatten^ weil sie selbst starke, lebendige Jugendbewegung waren. Sie brachten das Tatbedürfnis des einzelnen der Befriedigung nahe, weil ihr Gemeinschaftsleben fruchtbare Arbeit am jüdischen Volke war. 'Auch wir hatten Leistungen zu verzeichnen, aber unsere Arbeit war exklusiv und feudal, es iehlte ihr der Zusammenhang mit der Gesamtheit der jüdischen Jugend, sie machte den einzelnen mehr zum iObjekt als zum Subjekt des Schaffens. Aus den Elementen Lernen und Geselligkeit läßt sich kein Korporationsleben mehr aufbauen, das unsere Jugend befriedigt und ihr Gemeinschaftsgefühl vermittelt; darum fordern wir die Möglichkeit au ß-er halb der Korporation und durch sie an der jüdischenjugendbeweg u n g gestaltend mitzuwirken. Wie unsere junge Generation von innen, so kommt aie Jugendbewegung von außen und richtet ihre Forderungen an lins. Sie braucht zu ihrer Entwicklung die Mitwirkung der geistig Beweglichen, der Tätigen, und das sind die Studenten, unsere Bundesbrüder. Die Art ihrer Mitarbeit aber muß eine andere sein, als wir es uns bisher theoretisch ausmalten und praktisch versuchten. Die Jugendbewegung kann keine Leute brauchen, die in einer Organisation arbeiten, in einer andern 'aber wurzeln. Unsere Mitarbeit an der Turnbewegung vor dem Kriege mußte infolge dieses Zwiespaltes mißlingen, während Blau- Weiß und Volksheim aufblühten, weil1 unsere Bundesbrüder sie zum Mittelpunkt ihres Lebens machten. Alle' Jugendorganisationen brauchen Bundesbrüder, die in ihnen leben, die nicht als Kommandierte in ihnen wirken, sondern als mit ihnen verwachsene Glieder. Dann und nur dann werden wir bald eine mächtige Arbeiter-, Sport-, Turn-, Wander- und Schülerbewegung haben. In dem oben skizzierten Geiste wird die Erneuerung des Kartells stattzufinden haben. Widersetzen wir uns ihr, gelingt es uns nicht, uns zu wandeln und zu verjüngen, so verlieren wir den Anschluß' an den besten Teil unserer Jugend und sinken zur Bedeutungslosigkeit herab. Denn die junge Generation läßt-sich durch Traditionspietät und Dankbarkeit für

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