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Der jüdische Student · 1919-01-01 · Heft 7 (Januar 1919) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 7 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Cofm, Die Erneuerung des Kartells 105 kritisch, brachten bestimmte Forderungen und Erziehungspiäne mit, die sie den alten, bewährten des Kartells gegenüberstellten. Und während es uns früher stets gelang, die Forderungen unseres* Erziehungsprogramms selbst den schwierigsten Füxen gegenüber durchzusetzen, versagten wir bei diesen tendenztesten Bundesbrüdern, bei denen strenge Disziplin selbstverständliche Voraussetzung schien. Ein Teil von ihnen wurde bei uns unregelmäßiger Gast, ließ aber seine tatsächliche Arbeit und seine mensdhlichen Beziehungen außerhalb des Kartells, der andere vervisirzelte zwar bei uns, jedoch ohne jenes Gefühl tatsächlicher Befriedigung zu finden, das er erhofft hatte. So wurde gerade jener zionistische Nachwuchs, der unsere Arbeitsmöglichkeiten potenzieren sollte, keineswegs zu einem Ferment für das Kartell. Die Gründe für das Versagen dieser jungen Generation liegen nicht in den äußeren Zeitumständen, die ihre normale Erziehung und ihre Einstellung in unsere Tradition verhinderten, sondern im Wesen de s Kartells und seines Arbeitsprogramms, unser Karteilprogramni basiert auf der Forderung, möglichst breite Massen der jüdischen Akademikerschaft Deutschlands zu erfassen und zu brauchbaren Zionismen zu erziehen. Das Moment der Propaganda steht im Vordergrund, ihr werden überall Konzessionen gemacht. Kneipen mit spoftnklirrenden» Chargierten in färbigem Wichs, lärmende Fidulitäten mit Bierreden und Wirtinnenversen entsprechen schon lange nicht mehr unserem Geschmack, werden aber wegen ihrer Wirkung auf den Keilfuxen erhal.en. Gegen mehrstündige hebräische Kurse und höchste Intensivierung uer Lernarbeit werden Bedenken laut, weil man den Außenstehenden dadurch abzuschrecken fürchtet. Demgegenüber stellt üie junge Generation die Forderung höchster zionistischer Arbeitsleistung, kompromißloser Einstellung auf Palästina und engster Gemeinschaft auf. Nicht als ob diese Gedanken im K. J. V. neu wären, aber man fühlt sich in ihrer Verwirklichung durch unsere Propagandaidee gehemmt und ist nicht mehr bereit, ihr Konzessionen zu machen. Obwohl man die historische Leistung und die Fülle der Zuktinirsaufgaben des Kartells anerkennt, fehlt die Bereitschaft, sich persönlich der alten Organisationsform einzuordnen und ihr Opfer zu bringen. Der Grund hierfür ist weder der bessere noch der schlechtere Zionismus dieser Bundesbrüder, sondern die veränderte seelische Einstellung, mit der sie zu uns kommen. Zionisierung heißt, um ein Wort aus Blumenfelds Terminologie zu gebrauchen, der jüdischen Persönlichkeit ihren Schwerpunkt geben. Unsere Füxe kamen bisher mehr oder minder in ihrer früheren Weltanschauung erschüttert zu uns. Es drängte sie zu der Gemeinschaft, in der sie ihr Gleichgewicht finden und sich konsolidieren konnten, sie wurde ihnen ihr jüdisches Erlebnis, ihr ordneten sie die geistigen und ästhetischen Eigenwünsche unter. Die junge Generation, deren Lebensanschauung sich auf dem gefühlsmäßig verankerten Zionismus selbstverständlich autbaut, hat das Erlebnis ces Zionismus und das Erlebnis der Gemeinschaft bereits hinter sich, das Bedürfnis nach Ein- und Unterordnung ist geschwunden und hat dem Wunsche nach freier, individueller Lebensgestaltung Platz gemacht. Min will sich nicht in einen Rahmen starrer korporativer Formen einspinnen lassen, keine Rücksicht nehmen auf Schwächliche, auf sich Entwickelnde und sich Entschließende, sondern man verlangt nach einer Gemeinsch ilt der Entschlossenen. Man will alle die abschütteln, mit denen uns nichts als sentimentales Mitleid verbindet. Man wehrt sich gegen einen Abschluß' und eine Einkapselung, man verlangt Zusammenhang mit der lebendigen jüdi-

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